White Sharks unterliegen am Neckar
8. November 2021
WUM gewinnt
8. November 2021
Alle anzeigen

SSVE startet mit dramatischer Punkteteilung

28 Tore und 35 Ausschlüsse – Punktgewinn oder Punktverlust?

Esslingen – Der berühmte Auftakt nach Maß war es für die SSVE-Bundesliga-Wasserballer sicherlich nicht, aber spektakulär und kämpferisch allemal. Gegen die SG Neukölln aus Berlin gab es beim ersten Saisonspiel ein spannendes 14:14 (3:2, 3:3, 4:5, 4:4)-Unentschieden.

Wie so oft nach einer Punkteteilung stellt sich die Frage, ob es ein gewonnener oder ein verlorener Punkt war. So auch nach dem 32minütigen Wasserballkampf zwischen Esslingen und Neukölln. Aus SSVE-Sicht könnte man nach einer zwischenzeitlichen 3-Tore-Führung sicherlich von einem verlorenen Punkt sprechen, auch hatte man im letzten Angriff noch einmal die Chance, in Überzahl den entscheidenden Treffer zu setzen. Andererseits lag man gerade gegen Ende des Duells auch immer wieder in Rückstand und hatte mit einer äußerst hohen und ungleich verteilten Unterzahlquote zu kämpfen – 21 persönliche Fehler auf der Gastgeberseite stehen 14 auf Gästeseite gegenüber. Am Ende standen SSVE-Trainer Hannes Rothfuß, der den rotgesperrten Heiko Nossek auf der Bank vertrat, gerade noch zwei Auswechselspieler zur Verfügung. Und einer davon war Torhüter Florian Pirzer, der schon einmal statt seiner Torwartkappe eine Spielerkappe aufgezogen hatte – für den Fall der Fälle. Aus dieser Sicht dann doch ein gewonnener Punkt? Trainer Hannes Rothfuß schätzt die Partie wie folgt ein: „Das war ein enges und umkämpftes Spiel. Wir kommen gut rein und haben die Chance, uns abzusetzen, lassen dann aber einige Chancen liegen. In der zweiten Halbzeit kommt Hektik ins Spiel. Wir lassen uns davon anstecken und verlieren unsere Linie. Es geht hin und her und wir haben am Ende sogar noch die Chance, das Spiel zu gewinnen. Ob es am Ende ein gewonnener oder verlorener Punkt ist, wird sich im Laufe der Saison herausstellen. Die Moral und der Wille der Mannschaft stimmt, sie hat sich nie aufgegeben und immer weitergemacht.“ Kapitän Marvin Thran, der wegen Schmerzen in der Schulter unter der Woche noch bei einer Untersuchung bei Mannschaftsarzt Dr. Ralf Schauer war, führte sein Team an, leitete Spielzüge ein, gab entscheidende Pässe und traf gleich sechsmal in den Kasten des Gegners: „Spiele gegen Neukölln sind immer irgendwie besondere Spiele. Ich glaube, das war in den letzten paar Jahren mindestens das dritte Remis gegen die Berliner und das obwohl Unentschieden im Wasserball ja eher eine Seltenheit sind. Ich glaube, beide Mannschaften haben den Zuschauern eine tolle kämpferische Leistung und ein sehr spannendes Spiel geliefert. Aufgrund unserer 3-Tore-Führung zu Beginn der Partie und der Chance durch die letzte Aktion des Spiels in Überzahl noch als Sieger aus dem Wasser zu steigen, sind wir natürlich etwas enttäuscht, müssen aber auch anerkennen, dass wir das Spiel auch hätten verlieren können.“ In der Tat war es ein „typisches“ Spiel zwischen dem SSVE und der SGN: auch die beiden letzten Duelle 2021 endeten äußerst knapp (10:8 und 12:13), in der abgebrochenen Saison 19/20 gab es ein 12:13 und davor in vier von sechs Spielen Unentschieden.

Der erste Angriff gehörte zwar den Neuköllnern, doch das erste Tor erzielten die Hausherren: Marvin Thran konnte gleich das erste Überzahlspiel zum 1:0 nutzen. Doch auch die Gäste verwerteten wenig später ihre erste Mann-mehr-Situation zum Ausgleich. Per Mannschaftskonter trafen die Gastgeber zum 2:1, wieder war es Marvin Thran, der aus dem Rückraum erfolgreich abschloss. Ein Strafwurf brachte den Ausgleich für die Neuköllner. Die 3:2-Führung erzielte Neuzugang Nenad Stojcic aus der Centerposition, Passgeber war einmal mehr der Kapitän.

Der zweite Abschnitt begann für den SSVE positiv: die beiden Linkshänder Valentin Finkes und Robin Rehm trafen jeweils in Überzahl zum 5:2. Gästetrainer Andreas Schlotterbeck nahm früh eine Auszeit und erzielte damit die gewünschte Wirkung: per Strafwurf und wenig später in Überzahl schafften die Berliner wieder den Anschluss zum 5:4. Mit etwas Glück gelang ein eigentlich schon verlorener Ball zu Konstantinos Sopiadis, der das 6:4 markierte. Noch vor der Halbzeitpause verkürzten die Gäste erneut in Überzahl.

Direkt nach Wiederanpfiff die nächste Unterzahl für den SSVE, was die SGN zum Ausgleich zu nutzen wusste. Wenig später gelang den Hauptstädtern mit einem Konter sogar die erste Führung, spätestens jetzt war es der erwartete Kampf. Doch dass auch schöne Spielzüge zum Erfolg führen können, bewiesen mit Robin Rehm und Marko Zemun zwei der jüngsten Spieler, als Robin von Rechtsaußen einen perfekten Pass auf Marko auf Linksaußen spielte und dieser die Chance zum 7:7 nutzte. In Unterzahl gerieten die Esslinger erneut in Rückstand, den Marvin Thran mit einem von Konstantinos Sopiadis erkämpften Strafwurf aber wieder egalisieren konnte. Nach einer Auszeit traf Uros Fabic in Überzahl zum 9:8. Als Marvin Thran einen weiteren Mannschaftskonter erfolgreich zur 2-Tore-Führung abschloss, kam kurz die Hoffnung auf, dass die Esslinger doch die Oberhand gewinnen würden. Doch in Überzahl und per Strafwurf gelang es den Berlinern noch vor der letzten Viertelpause zum 10:10 auszugleichen.

Es sollte ein äußerst hektisches Schlussviertel folgen. In Unterzahl kassierte der SSVE das 10:11, wenig später verloren sie Nenad Stojcic mit einem Ausschluss mit Ersatz für den Rest des Spiels. Allerdings war er nicht der erste, denn mit Nikola Plackovic und Valentin Finkes waren zu diesem Zeitpunkt bereits zwei weitere Spieler mit jeweils drei persönlichen Fehlern zum Zuschauen verdammt. Die Reihen auf der Esslinger Bank lichteten sich also, Coach Hannes Rothfuß fehlten die Wechselalternativen. Doch seine Männer gaben nicht auf, sondern kämpften um die Punkte. Allen voran Kapitän Marvin Thran, der in Überzahl mit seinem fünften Treffer zum 11:11 ausgleichen konnte. Der SSVE überstand in der Folgezeit drei Unterzahlspiele, auch weil Boris Tepic im Tor immer wieder tolle Paraden zeigte und mittlerweile zu einem wichtigen Faktor geworden war. Nach einer Auszeit kamen die Esslinger dann selbst in Überzahl durch Jugendnationalspieler Robin Rehm zum 12:11. Ein weiterer verwandelter Strafwurf, mittlerweile der vierte, brachte Neukölln das 12:12, etwas mehr als drei Minuten waren noch zu spielen. Dass es auch in dieser Phase nicht nur mit der berühmten „Brechstange“ geht, bewiesen die Esslinger, als Miklos Barothy mit einem tollen Anspiel den sich freischwimmenden Konstantinos Sopiadis bediente und der die letzte SSVE-Führung erzielte. Wenig später traf den eben noch erfolgreichen Center eine umstrittene Hinausstellung, die nicht nur den erneuten Ausgleich zur Folge hatte, sondern auch eine gelbe Karte für Hannes Rothfuß. Ein Stürmerfoul auf Esslinger Seite bescherte den Neuköllnern eine Kontermöglichkeit, die sie zur 13:14-Führung nutzten. Doch noch waren 80 Sekunden zu spielen und der SSVE hatte ja seinen stark aufspielenden Center Konstantinos Sopiadis und den treffsicheren Marvin Thran. Der Center erkämpfte sich einen weiteren Strafwurf, den der Kapitän zum 14:14 nutzte. Und noch immer waren 67 Sekunden auf der Uhr. Der SSVE erkämpfte sich in der Abwehr den Ball und startete den nächsten Angriffsversuch. 25 Sekunden vor der Schlusssirene gab es dann sogar noch eine Überzahlmöglichkeit für den SSVE, doch das mittlerweile stark dezimierte Heimteam bewies nicht die erforderliche Ruhe und Übersicht und schloss etwas zu unvorbereitet und zu früh ab. Doch zum Vorwurf machen wollte das dem Esslinger Team nach diesem harten Abnutzungskampf niemand, die vom Spiel mitgerissenen Zuschauer spendeten ihrer Mannschaft verdientermaßen Applaus. Und schließlich war dies nicht die einzige vergebene Chance und man muss es als Teil des Lernprozesses für das junge Team ansehen. Wenige Augenblicke zuvor sah es sogar nach einer Niederlage aus – die eingangs gestellte Frage, ob dies nun ein gewonnener oder verlorener Punkt war, bleibt also unbeantwortet.

Für die SSVE-Wasserballer geht es nun in eine zweiwöchige Spielpause, am 27. November steht dann bereits das nächste Heimspiel gegen den OSC Potsdam auf dem Programm. SSVE-Trainer Hannes Rothfuß sieht in dem Unentschieden Potenzial, um sein Team weiterzuentwickeln: „Es stehen nun zwei spielfreie Wochenenden an. Diese Zeit gilt es jetzt zu nutzen, gemeinsam als Mannschaft das Spiel zu analysieren, die Lehren daraus zu ziehen, um beim nächsten engen Spiel kühleren Kopf zu bewahren und vor allem jetzt in den kommenden Wochen als Mannschaft zu trainieren, um den Grundstein für die nächsten Spiele zu legen.“

Für den SSV Esslingen im Einsatz waren:
Boris Tepic (Torwart), Miklos Barothy, Marvin Thran (6 Tore), Valentin Finkes (1), Marko Zemun (1), Uros Fabic (1), Robin Rehm (2), Simon Rehm, Peter Karteszi, Nenad Stojcic (1), Nikola Plackovic, Konstantinos Sopiadis (2), Florian Pirzer (Torwart)

Mit sportlichen Grüßen
Axel Hänchen

Comments are closed.