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SSV Esslingen gewinnt Bronze

Pokal-Finale knapp verpasst – Heiko Nossek Torschützenkönig
Der SSV Esslingen hat bei der Pokalendrunde in Potsdam die anvisierte Medaille gewonnen und damit einen der größten Erfolge in der Vereinsgeschichte gefeiert. Nachdem sie im Halbfinale gegen das favorisierte Team von Waspo Hannover mit 11:12 (3:5, 5:3, 1:3, 2:1) denkbar knapp verloren hatten, holten sie sich im kleinen Finale gegen den OSC Potsdam in einer dramatischen Partie nach 5-Meter-Schießen mit 14:13 (1:4, 5:0, 1:3, 2:2 / 5:4) die Bronzemedaille.

Die Wasserballer des SSV Esslingen standen kurz vor der ganz großen Überraschung, als sie in einem schön anzuschauenden und mitreißenden Halbfinale um den Deutschen Wasserballpokal Mitfavorit Waspo 98 Hannover alles abverlangten und am Ende mit nur einem Tor Unterschied verloren. Im Spiel um Platz 3 belohnten sie sich mit dem Gewinn der Bronzemedaille, auch wenn dies am Ende einer zwar spannenden, aber auch zerfahrenen Partie im 5-Meter-Schießen mit etwas Glück gelang. Der Freude tat dies aber keinen Abbruch, was SSVE-Trainer Bernd Berger am eigenen Leib erfahren durfte, als er nach dem letzten verwandelten 5-Meter von Heiko Nossek von seinem Team in voller Montur ins Wasser befördert wurde: „Nach dem starken Halbfinale, konnten wir die Leistung leider nicht ins kleine Finale mit rüber nehmen, haben aber das ganze Spiel über trotzdem toll gekämpft und mussten teilweise auch gegen das Publikum und so manche Schiedsrichterentscheidung spielen. Wenn es dann am Ende tatsächlich zum 5-Meter-Schießen kommt, gewinnt meistens der Glücklichere, heute würde ich aber sagen, dass der Bessere gewonnen hat.“ Kapitän Heiko Nossek wurde mit sieben Treffern Torschützenkönig der Pokalendrunde und war stolz auf seine Mannschaft: „Wir sind froh, mit der anvisierten Medaille heim gekommen zu sein. Nach einem sehr guten Halbfinale gegen Hannover konnten wir leider im Spiel um Platz 3 nicht daran anschließen. Wir hätten es verdient gehabt, im Finale zu spielen. Aber wir sind auch mit der Bronzemedaille sehr glücklich und können nun den Rest der Saison voller Motivation angehen. Gratulation an die Mannschaft!“

Gegen die Gastgeber einer tadellos und mit viel Leidenschaft organisierten Pokalendrunde anzutreten, ist natürlich immer eine ganz besondere Herausforderung. Der Mannschaft des SSV Esslingen war klar, dass man nicht nur auf eine bis in die Haarspitzen motivierte Heimmannschaft trifft, sondern auch auf ein frenetisches Publikum, was einen gewissen Heimvorteil verschafft. Doch trotz dieses Bewusstseins verschliefen die Esslinger wie am Vortag schon den Start regelrecht und verloren das erste Viertel bei nur einem Treffer von Hannes Glaser mit 1:4. Trainer Bernd Berger schien in der Pause die richtige Ansprache gewählt zu haben, denn im zweiten Abschnitt trat der SSVE so auf, wie man es vom Favoriten erwarten konnte: mit einem Überzahltreffer von Joshua Stedman auf Pass von Valentin Finkes starteten die Esslinger ihre Aufholjagd. Hannes Rothfuß schloss einen Konter zum Anschlusstreffer ab und Heiko Nossek besorgte in einer Mann-Mehr-Situation den Ausgleich. Erneut der US-Amerikaner Joshua Stedman war in Überzahl für den ersten Esslinger Führungstreffer verantwortlich. Diese Führung baute Heiko Nossek mit einem direkt verwandelten Freiwurf noch vor der Halbzeitpause auf 6:4 aus.
Doch die aus Esslinger Sicht erhoffte Beruhigung des Spiels blieb aus, die aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeber gingen ihrerseits mit drei Toren in Folge wieder in Führung. Der dritte Treffer von Joshua Stedman in Überzahl sorgte dafür, dass es 7:7-Unentschieden in das letzte Viertel ging.
Der 22jährige US-Amerikaner war es dann auch, der mit einem Kontertor die erneute Esslinger Führung schoss. Doch zwei Gegentreffer in Unterzahl bedeuteten wieder einen kleinen Vorteil für den OSC Potsdam. 53 Sekunden vor Schluß gelang Heiko Nossek dann das, was ihm im Halbfinale schon einmal gelungen war: ein Bogenball ins kurze Eck. 9:9-Unentschieden zeigte die Anzeigetafel und Esslingen konnte den letzten Angriff der Gastgeber abwehren und hatte noch zwanzig Sekunden Zeit für einen eigenen Angriff. Bernd Berger hatte sich noch eine Auszeit aufgespart, die er jetzt natürlich beanspruchte, um einen letzten Versuch zu starten, das Spiel doch noch in der regulären Spielzeit zu entscheiden. Das wäre auch beinahe gelungen, doch ein gutes Centeranspiel auf den bis zur letzten Sekunde kämpfenden Michael Müller wurde nicht mit einem Überzahlspiel belohnt, obwohl der Centerverteidiger klar über die Schulter des Angreifers stieg und solche Situationen während der gesamten Partie, die mit 26 persönlichen Fehlern sehr zerfahren war, stets und mit „einer Linie gepfiffen“ mit einer Hinausstellung bewertet wurden. In diesen letzten Sekunden der Partie aber nicht, ein Pfiff blieb aus und so kam, was kommen musste: 5-Meter-Schießen. Und natürlich die große Frage, wer nun Verantwortung übernehmen würde. Während Potsdam noch 13 Spieler zur Verfügung hatte, schieden bei Esslingen die mit drei persönlichen Fehlern versehenen Mike Troll und Joshua Stedman als potentielle Werfer bereits aus. Doch während die SSVE-Schützen in der Reihenfolge Robert Roth, Hannes Glaser, Hannes Rothfuß, Valentin Finkes und Heiko Nossek allesamt sicher verwandelten, war es auf der Gegenseite ausgerechnet der Trainersohn Artur Tchigir, der an dem starken Esslinger Torhüter Stephen White scheiterte. Damit endete das kleine Finale mit 14:13 für Esslingen und die Neckarstädter durften sich auf der Siegerehrung die Bronzemedaille umhängen lassen.

Natürlich war der Gewinn der Bronzemedaille das Highlight für den SSV Esslingen, spielerisch gesehen war die knappe Halbfinalniederlage gegen das finanziell und daher personell mit Nationalspielern aus dem In- und Ausland ganz anders aufgestellte Team aus Hannover aber ebenfalls ein Höhepunkt der laufenden Saison. Denn bis zum Schlusspfiff stemmte sich das Esslinger Team gegen die Niederlage und kämpfte um den möglichen Finaleinzug. Und das, obwohl man die ersten Minuten völlig verschlief. Nach nicht einmal fünf Minuten führten die Norddeutschen bereits mit 4:0. Bernd Berger nahm eine Auszeit, um den Sturmlauf des Gegners zu unterbrechen, was auch gelang: Hannes Glaser vollendete einen Konter erfolgreich zum ersten SSVE-Treffer. Zwar stellte Hannover den alten Abstand mit einem Centertor umgehende wieder her, doch spätestens nach den beiden Treffern von Hannes Glaser und Heiko Nossek noch vor der ersten Pause waren die Esslinger beim Stande von 5:3 zurück im Spiel. Bis zur 12. Spielminute gelang es dem Favoriten allerdings erneut auf vier Tore davonzuziehen (8:4). In den nächsten nicht einmal drei Minuten rieben sich die Zuschauer verwundert die Augen, denn der SSVE spielte völlig entfesselt auf: einen hohen Pass von Valentin Finkes verwandelte Center Michael Müller zum fünften Esslinger Tor, bevor der 19jährige Linkshänder selbst zum 6:8 aus Esslinger Sicht traf. Heiko Nossek aus dem Rückraum sowie mit einem Bogenball ins kurze Eck sorgte für das 8:8-Unentschieden. Vier SSVE-Treffer aus dem laufenden Spiel heraus bedeuteten, dass alles wieder offen war. Kurz vor der Halbzeit konnte Mike Troll mit einem direkten Freiwurf beinahe die erste Esslinger Führung erzielen, doch der Treffer wurde nicht anerkannt.
Also ging es mit einem Unentschieden in die zweite Halbzeit und es sollte sich ein wahrer Krimi entwickeln, bei dem Waspo immer einen kleinen Schritt voraus war. Bis zur 22. Spielminute gingen sie mit 10:8 in Führung und hielten diesen Zwei-Tore-Vorsprung trotz eines Überzahltreffers von Joshua Stedman auch noch vor der letzten Pause. Zu Beginn des vierten Abschnittes verkürzte Hannes Glaser mit seinem dritten Treffer per Bogenball zum Anschluss. Bis zweieinhalb Minuten vor dem Schlusspfiff hing der Ausgang der Partie am seidenen Faden, dann jedoch erzielte Marko Bolovic mit dem 12:10 die Vorentscheidung. Zwar schafften die Esslinger kurz vor Schluss noch einmal den Anschluss und SSVE-Torhüter Stephen White brachte mit seinen tollen Paraden die Hannoveraner Angreifer ein ums andere Mal zur Verzweiflung, aber am Ende setzte sich der Favorit denkbar knapp mit 12:11 durch und schaffte so den Einzug ins Finale.

Dieses Finale zwischen Titelverteidiger Spandau und Herausforderer Hannover endete ebenso wie das Spiel um Platz 3 mit einem 9:9-Unentschieden, sodass erstmals in der Geschichte des Pokals der Sieger im 5-Meter-Schießen ermittelt werden musste. Spandau setzte sich durch und feierte so den 30. Pokaltitel der Vereinsgeschichte, während sich Hannover wie schon im Vorjahr mit Silber begnügen musste. Die Berliner gewannen damit nach dem Supercup bereits den zweiten nationalen Titel der Saison. Bei den Frauen gewann ebenfalls Titelverteidiger Bayer Uerdingen, die Silbermedaille ging an Blau-Weiß Bochum. Im kleinen Finale setzte sich mit dem SV Nikar Heidelberg ebenfalls ein Team aus Baden-Württemberg gegen ETV Hamburg durch.

Für den SSV Esslingen im Einsatz waren:
Marco Watzlawik (Torwart), Lars Hechler, Hannes Rothfuß (1 Tor gegen Hannover / 2 Tore gegen Potsdam), Valentin Finkes (1/1), Joshua Stedman (2/4), Robert Roth (0/1), Heiko Nossek (3/4), Michael Müller (1/0), Christopher Meinhold, Robin Finkes, Mike Troll, Hannes Glaser (3/2) und Stephen White (Torwart)

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