Ein Leben für den Wasserball: zum Tode von Claus Bastian

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Ein Leben für den Wasserball: zum Tode von Claus Bastian

Der traditionsreiche deutsche Wasserballsport hat ein bekanntes Gesicht und einen langjährigen zuverlässigen Mitstreiter verloren: Der überregional vielfach geschätzte Fachjournalist Claus Bastian, seit Jahrzehnten und bis zuletzt Pressesprecher der DSV-Fachsparte Wasserball, ist am vergangenen Freitag im Alter von 85 Jahren verstorben. Der seit den 1950er Jahren neben zahlreichen regionalen Medien auch für die beiden nationalen Nachrichtenagenturen SID und dpa tätige Karlsruher hatte Ende April einen Schlaganfall erlitten und sich von diesem nicht mehr erholt.

Geboren am 10. März 1930 in Karlsruhe und als bekennender „Badener“ seiner Heimatstadt stets treu geblieben, war Claus Bastian dank seines Vaters auch vom ersten Tag an Mitglied im traditionsreichen Karlsruher Schwimmverein Neptun von 1899. Zu den sportlichen Aktivitäten als Schwimmer und Wasserballer gesellten sich frühzeitig Jahrzehnte der Mitarbeit als Offizieller und in verschiedenen Gremien vom Verein bis hin zum Deutschem Schwimm-Verband, wobei der Bankangestellte beispielsweise für den Badischen Schwimmverband vom April 1953 bis zum Oktober 1993 mehr als vier Jahrzehnte lang als Pressewart amtierte.

Steckenpferd wurde aber schon frühzeitig die Öffentlichkeitsarbeit, wo Bastian mit Richard Volderauer und dem langjährigen DSV-Pressewart Dr. Ewald Bussard zwei Karlsruher Sportjournalisten als Mentoren nannte. Bereits im Sommer 1949 bezog „cb“, wie er ob seines Kürzels häufig genannt wurde, erste kleine Honorare bei Lokalblättern und war hier erstmals auch für das Amtsblatt des DSV tätig. Auf letzteres legte Bastian bis zuletzt viel Wert, für das er bis zur April-Ausgabe des Nachfolgers „Swim and More“ regelmäßig zahlreiche Beiträge verfasste. 1952 kamen die beiden großen deutschen Agenturen dpa und SID als ständige Abnehmer hinzu, zu der sich im Laufe der Jahre rund zwei Dutzend Tageszeitungen und auch Rundfunksender gesellten.

Viele Anhänger der Sportart kannten Claus Bastian und hegen bis heute ihre eigenen, besonderen Erinnerungen an ihn, auch er selbst konnte er die eine oder andere Anekdote beitragen. So fuhr der Karlsruher 1958 ins ungarische Budapest erstmals zu einer Wasserball-Europameisterschaft, dieses auf einem Motorroller und mit Ehefrau Christa auf dem Rücksitz, mit der er mehr als 58 Jahre lang verheiratet war. Bis 2010 und in das hohe Alter von 80 Jahren sollten vor Ort neben den Olympischen Spielen 1972 und 1976 noch 17 (!) weitere Teilnahmen an den kontinentalen Titelkämpfen der Sportart folgten. Bewaffnet mit Schreibmaschine, Fax (Festnetz-)Telefon und vor allem auch „Freude an der Sache“, wie er es formulierte, war Bastian die personifizierte Zuverlässigkeit und demonstrierte damit Tugenden, derer die Sportart heute vielleicht mehr denn je bedarf. Bis zuletzt mit einem hohen Arbeitspensum im Dienste „seiner“ Sportart sorgte er nicht nur für Texte, sondern versorgte auch zahlreiche Abnehmer bis hin zum Videotext zeitnahe mit Resultaten und akribisch geführten Statistiken, einschließlich der seit Jahrzehnten gehegten deutschen Länderspielzahlen. Sein legendenumwobener „Keller“ bescherte zahlreichen fragenden Interessenten bis zuletzt so manche wertvolle Information und verlieh einer ganzen Sportart den informativen Rahmen.

Die bis zum Ableben unermüdliche Schaffenskraft und Hilfsbereitschaft im Dienste der Sportart erfuhr auch von offizieller Seite vielfach eine Wertschätzung. Zuletzt erhielt er 2010 anlässlich seines 80. Geburtstages den Ehrenbrief des Deutschen Schwimm-Verbands für mehr als 60 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit. Herausragende Wertschätzung wurde ihm allerdings bereits 1986 zuteil, als er anlässlich des 100-jährigen DSV-Jubiläums schon zu Lebzeiten Aufnahme in die damalige Galerie der „500 Großen“ des deutschen Schwimmsports fand. Am vergangenen Wochenende starteten die DWL-Spiele mit einer Schweigeminute.

Wolfgang Philipps

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