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Interview mit dem neuen Coach Janusz Gogola

Mittelmaß hat mich noch nie interessiert

Die Vorbereitungen auf den Start der Wasserball-Bundesliga mit dem neuen Trainer Janusz Gogola laufen auf Hochtouren. Dieser sagt: Im SVL-Team „steckt viel Potenzial“. Im Interview spricht der ehemalige polnische Nationalspieler über nationale Ambitionen, über seine Diplomarbeit und über Jugendarbeit.

Janusz Gogola bringt reichlich Wasserball-Bundesligaerfahrung mit nach Ludwigsburg. Der ehemalige polnische Nationalspieler hat bis Ende 2019 den Lokalrivalen SSV Esslingen trainiert, jenen Club also, der lange die Nummer eins im Land war. Der SV Ludwigsburg indes ist mittlerweile am Lokalrivalen in der Bundesliga vorbei gezogen.

Der 60-jährige studierte Sportlehrer Gogola soll nun helfen, das Team aus der Barockstadt weiter in Richtung nationale Spitze zu bringen. Zu seinen wichtigsten Trainerstationen zählen außer Esslingen unter anderem Mannheim, Frankfurt und Neustadt. Gogola hat seine Diplomarbeit über Wasserball geschrieben und sagt, er bevorzuge bis heute die „wissenschaftliche Herangehensweise“.

Beim SVL sind alle Leistungsträger der Vorsaison an Bord geblieben, etwa der deutsche Nationalspieler Timo van der Bosch, der Kapitän und Toptorwart Ivan Pisk sowie der Torschützenkönig Marko Martinic. Gute Voraussetzungen also für die neue Saison mit dem neuen Trainer.

Der SVL-Teammanager Adrijan Jakovcev sagt: Der Verein strebe neben dem sportlichen Erfolg in der Liga und im Pokal mittelfristig auch „die Integration ambitionierter Nachwuchsspieler in unsere Mannschaft“ an, diese sollten sich an der Seite der erfahrenen Spieler weiterentwickeln. Auch SVL-Vizepräsident Matthias Nagel spricht von europäischer Integration – etwa mit Blick auf Sportler wie den Mannschaftskapitän Ivan Pisk, „der in seine vierte Saison mit dem SVL geht und nach seinem Studium in der Automobilbranche den beruflichen Einstieg geschafft hat“.

Top vier sei das erklärte sportliche Ziel für die neue Saison, so Adrijan Jakovcev. Zum Auftakt der Saison steht der Deutsche Pokal an: Die erste Runde wird schon Mitte September gespielt. Seit Mitte August trainiert die komplette Mannschaft wieder zusammen im Campusbad und im Freibad Hoheneck. Anfang Oktober stehen die ersten Spiele des Eurocups an, für den sich der SVL mit Platz fünf in der Liga qualifiziert hat.

Der neue SVL-Trainer zu den Fragen …

Warum SVL?

Es ist für mich interessant, bei einem Projekt mitzuwirken, bei dem Leistungsziele im Vordergrund stehen. Mittelmaß hat mich noch nie so begeistert.

Ziele mit dem neuen Club?

Ich möchte mit dem bestehenden Trainerteam gut und harmonisch arbeiten. Ich hoffe, dass meine Erfahrung und mein Wissen dem Team zugute kommen.

SSVE ist jetzt Konkurrent – ein Problem?

Ich habe 1984 meinen ersten Trainerjob angenommen. Bis heute habe ich wirklich viele Teams trainiert. Dabei hab ich immer Menschen bewundert, die Vereinspolitik betrieben haben. Sportlicher Wettbewerb und Trainingsgestaltung stehen bei mir im Vordergrund. Alles andere ist nebensächlich und hat mich auch nicht besonders beeinflusst.

Erster Eindruck von der SVL-Mannschaft?

Letzte Saison habe ich manche Spiele gesehen. Es steckt viel Potential drin. Viele Stammspieler sind diese Saison wieder dabei, was eine Leistungsstabilität und eine eventuelle Steigerung ermöglicht.

Ziel ist Platz vier in der Liga – realistisch?

Ich glaube an unsere Mannschaft und das Trainerteam. Erfolg wird aber manchmal unterschiedlich definiert und interpretiert. Wir können sehr erfolgreich arbeiten und dann kann auch eine andere Zahl am Ende stehen.

Kann der SVL mittelfristig mitspielen um den nationalen Titel?

Um einen Titel in der Deutschen Meisterschaft zu erringen, gehören, außer sportlichen Aktivitäten, auch andere Komponenten dazu. Ich kenne die Möglichkeiten des SVL noch nicht gut genug, um eine derartige Prognose zu wagen.

Was ist in dieser Saison international zu erreichen?

Der Eurocup-Wettbewerb ist generell schwierig zu spielen. Zurzeit ist Timo van der Bosch der einzige Nationalspieler, der im Sommer unterwegs war. Der Rest der Mannschaft hat keine Möglichkeiten gehabt, Wasserball zu spielen. Die Vorbereitung ist kurz und die Gegner international erfahren. Die Teilnahme ist jedoch für unser Team enorm wichtig. Nicht nur Erfahrung, sondern der internationale Vergleich ist es, was ein ambitioniertes Team braucht. Letztes Jahr hat das Team durch seine Leistung die Zugehörigkeit zu solchem Wettbewerb bewiesen.

Gogola sei ein akribisch arbeitender Coach, sagt man. Was heißt das konkret?

Ich sammle Informationen über den Gegner, über das eigene Team und arbeite viel mit Video. Außerdem achte ich auf Kleinigkeiten. Ich versuche, alles zu planen und die Richtigkeit meiner Beobachtungen dem Team glaubwürdig zu präsentieren. Ich bevorzuge in meiner Arbeit als Trainer einen kooperativen Führungsstil.

Um welches Thema ging es in der Diplomarbeit?

Um Methodik der Spielbeobachtung, Analyse der Taktik und deren Bewertung. Natürlich nicht nobelpreisverdächtig, aber eine solide Grundlage für eine Trainerarbeit. Die Taktik hat sich verändert, aber die Methoden kann man immer wieder verwenden.

Jugendarbeit in Ludwigsburg – ist nicht die ganz große Stärke des SVL. Was tun?

Jugendarbeit basiert auf qualifiziertem, abwechslungsreichem Training und gut ausgebildeten und kompetenten Trainern. Man muss den Jugendlichen und deren Eltern eine Perspektive im Leistungssportbereich ermöglichen. Wasserball muss als Sportart eine gute Wahl sein beziehungsweise müssen parallel die Strukturen entwickelt werden – Sportschule, Dualstudium et cetera, sodass man mehrmals die Woche trainieren kann.

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