Torhüter Kevin Götz fällt für die Olympiaqualifikation aus
27. Januar 2021
CHAMPIONS LEAGUE ERNEUT IN OSTIA UND BUDAPEST
28. Januar 2021
Alle anzeigen

Nachruf Emil Bildstein

Dreifacher Olympia-Teilnehmer verstorben

1952 Helsinki, 1956 Melbourne, 1960 Rom – dreimal bei Olympischen Spielen. 68 Wasserball-Länderspiele. Siebenmal in Folge Süddeutscher Meister mit dem SV Ludwigsburg: was für eine Bilanz! Emil Bildstein war einer der größten Sportler, die je für den SVL gespielt haben. Jetzt ist der Mann, Jahrgang 1931, verstorben.

So richtig schwimmen lernt Emil Bildstein als Schüler nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Ammersee bei München. Für den Jugendlichen ist aber schon damals klar: er will Wasserball spielen. Noch während des Krieges hatte er ein Wasserballspiel der deutschen Nationalma nnschaft gesehen.

„Das hat mein Interesse geweckt“, erzählte Bildstein einmal in einem Interview. Als seine Familie, die im Krieg ausgebombt worden war und vorübergehend bei einem Bauern auf dem Land lebt, wieder zurück kehrt nach München, schließt sich der Emil der damals sehr guten Wasserballmannschaft von München 99 an.

Emil Bildstein ist Torwart. Und was für einer. Er wird Nationalspieler. 1952 ist der Mann aus der bayerischen Metropole mit dem Olympia-Team in Helsinki, Finnland, 1956 bei den Spielen in Melbourne, Australien. Er arbeitet in München bei Siemens und wird 1957 von seiner Firma nach Stuttgart geschickt. Was für ein Glück für den SV Ludwigsburg, deren Wasserballer damals – wie heute wieder – zur nationalen Spitze gehören.

Mit dem SVL-Spielertrainer Hans Schulze, der auch Trainer der Helsinki-Mannschaft war, verbindet Bildstein eine engen Freundschaft. Auch mit dem SVL-Mann Ullu Gscheidle. „Deshalb war für mich klar, dass ich mich dem SVL anschloss“, sagt er in dem Interview vor gut zehn Jahren. Mit dem Club aus der Barockstadt erlebt Emil Bildstein eine „wunderschöne erfolgreiche Zeit“.

Er spielt bis 1966 für Ludwigsburg, wird mit der Mannschaft unter anderem siebenmal in Folge Süddeutscher Meister. Einmal wird der SVL in dieser Zeit sogar Deutscher Vizemeister. Zusammen mit den SVL-Kameraden Dieter Seitz, Jürgen Fuchs und Ludwig Ott gehört Bildstein zum Olympia-Team 1960 in Rom. 1962 reisen die Ludwigsburger auf Einladung des Vereins Heliapolis Kairo nach Ägypten und gewinnen dieses international besetzte Turnier – die Ludwigsburger gewinnen auch einen imposanten Pokal, doch mit wortreichen Erklärungen des Bedauerns wird ihnen zu verstehen gegeben, daß der Pokal Ägypten leider nicht verlassen dürfe.

Emil Bildstein erzählt nach seiner aktiven Zeit als Wasserballer oft Anekdoten von anno dazumal, etwa diese: Weil das Geld 1952 beim Deutschen Schwimmverband knapp ist, können nur elf Männer zu Olympia reisen, lediglich neun Spieler, der Trainer und der Präsident. Auch der Trainer und sogar der Präsident werden als Spieler gemeldet. „Aber die Verletzungen hielten sich in Grenzen, daher mussten die beiden nicht ins Wasser.“

Emil ist während seiner aktiven Zeit quasi der Trainer -manche Mitspieler sagen, der Ansager der Mannschaft. Später trainiert er die Mannschaft. Zu den Höhepunkt von Bildsteins sportlichen Aktivitäten zählt sicherlich das dreimonatige Engagement 1963 in Tokio. Zusammen mit anderen Experten hat der Mann aus Ludwigsburg eine große Aufgabe: die Vorbereitung des japanischen Teams auf die Olympischen Spiel 1964 in Tokio. „Das war eine tolle Zeit“, so Bildstein. Bei den Spielen sind er und die anderen engagieren Fachleute dann aber leider nicht mehr dabei – japanische Trainer sitzen am Beckenrand.

Lange nach seiner aktiven Zeit sagt Emil Bildstein in einem Interview anlässlich des 100. Geburtstags des SVL im Jahr 2008: Der Wasserballsport sei im Vergleich zu früher schneller und dynamischer geworden. Zu seiner Zeit habe es halt keine Spielerwechsel gegeben. Das, so Bildstein damals, habe nicht nur Vorteile. „Die Entwicklung zum schwimmerischen Schwerpunkt hat leider zur Folge, dass man die verschiedenen Schussvarianten nicht mehr so beherrscht und zum Einsatz bringt, wie zu unserer Zeit.“

Emil Bildstein bleibt bis hohe Alter sportlich aktiv, fährt Ski, spielt Golf. Viele jüngerer Wasserballer sind beeindruckt, weil sich der Emil und seine einstigen Mitspieler, „die Ludwigsburger Wasserball-Urgesteine aus den Olympiazeiten“ regelmäßig treffen. Lange Jahre treten die Senioren gegen die aktuelle Ludwigsburger Mannschaft an, später kommen sie im Freibad zum Kicken zusammen.

Emil Bildstein ist jetzt, ein paar Wochen vor seinem 90. Geburtstag, verstorben. Der SV Ludwigsburg trauert um einen ganz großen Sportler, dessen kluge Ratschläge fehlen werden.

Es können keine Kommentare abgegeben werden.