Kein Trainer, aber mit viel Freude in die neue Zweitligasaison

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Kein Trainer, aber mit viel Freude in die neue Zweitligasaison

Poseidonen schwimmen am 6. Dezember wieder an

Interview und Fotos: Jens Witte

Herr Lemke, bislang haben die Fans Sie als kraftvollen Center vor dem gegnerischen Tor wirbeln gesehen. Wie sind Sie zu ihrer neuen Aufgabe als Interimstrainer beim Wasserball-Zweitligisten gekommen?

Florian Lemke: Wir haben aktuell eine Situation, die es bei Poseidon lange nicht gegeben hat. Die Mannschaft ist nach dem Rücktritt von Sven Reinhardt nach wie vor trainerlos, und eine schnelle Klärung ist nicht in Sicht. Ein griechischer Trainerkandidat hat uns leider kurz vor dem Start der Saisonvorbereitung abgesagt. Er coacht nun weiterhin in der griechischen ersten Liga. So bin ich eingesprungen. In diesem Jahr mache ich berufsbegleitend meinen Master und habe keine Zeit zum Training!

Wie geht das? Sie studieren in Süddeutschland, und was macht die Mannschaft?

Ich schreibe die Trainingspläne, und die Mannschaft setzt es selbstständig im Wasser um. Punktuell, wenn ich da bin leite, ich das Training direkt vom Beckenrand und helfe auch in Spielen als Trainer, wenn ich Zeit habe.

Und das klappt mit dem selbstständigen Training im Wilhelmsburger Inselpark? Wie diszipliniert ist die Mannschaft?

Das Schöne ist, dass alle den Wasserball lieben und sehr gerne mit diesem hohen Aufwand an Zeit bereit sind, für unseren Sport zu trainieren. Einige der Spieler haben Bundesligaerfahrung. Unser Mannschaftskapitän Alexander Weik hat sogar schon Champions League mit Waspo 98 Hannover gespielt.

Im vergangenen Jahr wurde Poseidon ungeschlagen Nordmeister, scheiterte aber beim Aufstiegsturnier. Was für Ziele haben Sie in diesem Jahr?

Der Saisonausblick ist neu. Wir gehen dieses Jahr ohne Ziele in die Liga. In den letzten Jahren wollten wir immer in die Bundesliga aufsteigen. Im entscheidenden Moment doch verzagten wir. Besonders unglücklich beim Aufstiegsturnier im vergangenen Juli in Brandenburg. Bis sechs Sekunden vor Ende sind wir in der höchsten Spielklasse, dann trifft Fulda und steigt stattdessen in die Deutsche Wasserball-Liga auf.

Aber gewinnen wollen Sie schon oder?

Klar ist, dass die Jungs alle heiß sind, und unser Ziel ist es, jedes Spiel zu gewinnen. Dafür leben wir diesen Sport. Dennoch haben wir vom Vorstand keine feste Maßgabe, wieder Nordmeister und Nordpokalsieger zu werden. Die Titelverteidigung oder gar der Aufstieg sind nicht Pflicht. Die Saison wird zeigen, wozu wir fähig sind.

Wie sieht es in diesem Jahr mit dem SVP-Kader aus? Konnten Sie sich verstärken?

Wir hatten Abgänge, aber auch Zugänge in unserem Kader. Ein junges hoffnungsvolles Talent ist Gergely Antal. Der 19-jährige Student kommt vom ungarischen Erstligisten VK Eger. Im Pokalspiel gegen Bundesligist SG Neukölln traf er bereits einmal. Sonst spielt Antal in der Centerverteidigung. Zurück vom zweijährigen Gastspiel beim Lokalrivalen Hamburger Turnerbund 62 ist Jan-Lucas Christensen. Der 21-jährige hat Torinstinkt und traf 37-mal im letzten Jahr. Mit Tim Kertscher kommt aus Zuffenhausen ein weiterer Spieler. Ende November endet die Wechselfrist, vielleicht stößt noch ein sehr schwimmstarker Spieler zu uns. Mit Poseidon-Urgestein Yannik Arnhold haben wir allerdings einen wurfgewaltigen Spieler verloren. Der 24-Jährige kann auf allen Feldpositionen spielen und wechselte zum Bundesligisten SC Wedding nach Berlin.

Auf welchen Stand sehen Sie die Mannschaft für die Zweite Liga?

Eins ist klar: Der total fitte Kern der Mannschaft hat absolutes Erstliga-Niveau. Alle anderen, die eine durchschnittliche Fitness haben, haben diese Niveau auch, aber sind durch ihre Anwesenheit natürlich limitiert. Daher heißt, es in jedem Spiel den richtigen Mix zu finden. Die fitten Spieler bilden den Kern, und alle anderen werden diesen Kern mit ihren individuellen Fähigkeiten super ergänzen.

Mit was für Problemen kämpfen die Poseidonen in diesem Jahr?

Wir haben eine sehr stark fluktuierende Personaldecke. Es gibt einen Kern, der so gut wie bei jedem Training da ist und auch voll mit zieht. Andere haben sich aus beruflichen und privaten Gründen zu einmal bis maximal dreimal die Woche Training verpflichtet und daher schwankt die Anwesenheit an der Stelle stark. Das muss ich akzeptieren. Wir sind trotz aller Ambitionen Amateure, Studium und Beruf gehen vor. Außerdem haben wir viele Verletzungsprobleme. Aktuell sind immer drei, vier Spieler aus diesen Gründen gar nicht beim Training. Das macht das Schreiben des Trainingsplans nicht leicht, und genauso schwierig ist es für die Jungs, die da sind, dann alles umzusetzen und höchst motiviert zu bleiben.
 
Dennoch kann ich schlussfolgern, dass jeder, der in den Einheiten anwesend war, bisher hundertprozentigen Einsatz gezeigt hat, und unser durchschnittlicher Trainingszustand sehr gut und weit fortgeschritten ist.

Wie ist Ihr Ausblick für die Nordliga?

Ich bin mir sicher, dass wir viele Spiele gewinnen werden, da wir einfach die Klasse mitbringen. Wir haben in den letzten Jahren gezeigt, dass wir Bundesliganiveau haben. Gegen das untere Drittel des Oberhauses können wir mithalten. Lediglich unsere Köpfe haben uns in den vergangenen Spielzeiten an größeren Erfolgen gehindert.

Kommt in dieser Saison noch ein Trainer zum SVP?

An einer festen und langfristigen Trainerlösung arbeitet unser Manager Lars Hinkelmann unter Hochdruck. Ich unterstütze ihn dabei. Wenn die Zeit reif ist, dann werden wir etwas präsentieren können und ich bin mir sicher: Egal wie die Kombination/Lösung am Ende aussieht und egal wer oder welche Personen dahinter stecken werden: Es wird der Mannschaft gut tun.

Wie geht es bis zum Saisonstart am 6. Dezember bei Waspo 98 Hannover bei den Poseidonen weiter? Was sind ihre Hoffnungen?

Jetzt gehen wir voller Konzentration in die letzten Wochen Vorbereitungstraining und dann holen uns im Dezember unsere ersten Zweitliga Punkte.

Ich hoffe, dass sich die Personaldecke mit Verletzungen und beruflichen Ausfällen bis Weihnachten drastisch entspannt. Des Weiteren bekommen wir evtl. noch zwei Spieler dazu, bei denen wir jedoch erst einmal abwarten müssen, welches Niveau sie mitbringen werden.

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