„Wir haben das Vertrauen in den DSV verloren“

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„Wir haben das Vertrauen in den DSV verloren“

Die SVL-Wasserballer hatten erwartet, dass das erste Bundesliga-Turnier komplett wiederholt wird – denn aus der Sicht des Vereins ist massiv gegen das Corona-Hygienekonzept des DSV verstoßen worden.

Erst unmittelbar vor dem ersten Spiel des SVL gegen Spandau war den Ludwigsburgern mitgeteilt worden, dass es mindestens einen Corona-Fall bei den Berliner gab, das Spiel wurde abgesagt. Die konsternierten Ludwigsburger fanden nicht ins Turnier und konnten nicht ihre volle Leistung abrufen, zudem sind dem Verein aufgrund des geänderten Ablaufs zusätzliche Reisekosten entstanden, die nicht vom Verein getragen werden sollen. Nun klagt der Verein gegen diese Entscheidung. Im Interview erklären der Vizepräsident Matthias Nagel und der Teammanager Adrijan Jakovcev, wie enttäuscht sie vom Verband sind.

Die Corona-Saison würde schwierig werden, das war klar. Der SVL ist aber unzufrieden. Warum?

Matthias Nagel

In erster Linie, weil beim Bundesliga-Turnier in Berlin massiv gegen das Hygiene-Konzept des DSV verstoßen worden ist. Unmittelbar vor unserem Spiel gegen Spandau wurde uns erklärt, dass das Spiel abgesagt wird, weil ein Berliner Spieler – oder mehrere Spieler, wir wissen es bis heute nicht abschließend – Corona-positiv gesetzt worden sei. Das ist nicht vertretbar. Auch die darauffolgende Entscheidung der Absage ist nicht regelkonform und hätte so nie getroffen werden dürfen. Die anderen Vereine wussten jedoch offensichtlich Bescheid von dem Corona-Fall, wir nicht. Wir sind komplett überfahren worden von den Ereignissen.

Das Aus des Spiels hatte Auswirkungen auf die weiteren Begegnungen?

Adrijan Jakovcev

In der Tat. Unsere Spieler waren sehr verunsichert im Spiel gegen Potsdam, auch im weiteren Verlauf des Turniers wurde dann gegen die Regelungen verstoßen, es gab bspw. keine Zugangskontrollen. Am gesamten Wochenende hat uns niemand über den Vorfall aufgeklärt und unsere Kritik wurde und wird vom Verband schlicht ignoriert. Wir haben Einspruch gegen die Wertung des Turniers eingelegt, das ja ohne die Spandauer fortgeführt worden ist.

Wie ist die Sache ausgegangen?

Matthias Nagel

Der Einspruch wurde abgewiesen. Jetzt klagen wir gegen den Beschluss. Mit einer Entscheidung ist aber erst in vielen Monaten zu rechnen.

Das heißt?

Matthias Nagel

Die Spiele im Turniermodus gehen wohl weiter. Das Spiel gegen Spandau wird nicht mehr nachgeholt werden und wir dürfen nun in der Relegationsrunde gegen eine Mannschaft aus der B-Gruppe antreten, auch wenn es durchaus für die Meisterrunde hätte reichen können.

Adrijan Jakovcev

Wir sind zum zweiten Turnier auch wieder weit gereist, nach Potsdam. Dort haben wir Neukölln wieder geschlagen dann gegen Potsdam unentschieden gespielt. Wir können also mithalten – wenn die Voraussetzungen stimmen.

Matthias Nagel

Es ist ohnehin nicht fair, die Runde in gesetzten Turnieren zu spielen, besser wären Hin- und Rückspiele. Nichtsdestotrotz haben wir dem Modus zugestimmt und sind den drei Berliner Vereinen gerne entgegengekommen, um in dieser schwierigen Phase den Reiseaufwand gering zu halten. Daher hätten wir zumindest erwartet, dass man zum Schutz aller Beteiligten offen und transparent bei solchen Vorfällen kommuniziert und uns nicht in so eine Situation bringt.

Adrijan Jakovcev

Wir wollen die Spiele des irregulären abgelaufenen Turniers aus Gründen der sportlichen Fairness und der Verantwortung gegenüber unseren Sportlern, die sich monatelang darauf vorbereitet hatten, wiederholt haben. Alle Beteiligten wurden einem unnötigen Infektionsrisiko ausgesetzt und wir sind nur froh, dass alle am Folgetag direkt vorgenommenen Testung negativ waren.

Daraus wird aber wohl nichts.

Adrijan Jakovcev

Ja, leider. Aber die psychische Belastung der Spieler nach der Absage des Spandau-Spiels war einfach zu groß. Gerecht ist die Entscheidung nicht. Uns ärgert auch, dass niemand gesagt hat: tut uns leid, wie das alles gelaufen ist. Nichts, wir haben nichts gehört. Außer das Nein zu unserem Einspruch. Das ist zu wenig. Der SVL wurde klar benachteiligt. Wir haben das Vertrauen in den Verband – der zurzeit ja ohnehin recht unglücklich agiert – verloren.

Matthias Nagel

Wir gehen davon aus, dass unsere Klage Erfolg haben wird. Eines Tages. Das bringt uns jetzt aber nichts. Wir müssen und wir werden also weiterspielen. Ein Rückzug der Mannschaft steht nicht zur Debatte.

Wie geht es weiter?

Matthias Nagel

Zunächst müssen wir dann zwei Relegationsspiele gegen Mannschaften der Gruppe B machen und diese gewinnen. Dann steht wieder ein Turnier an, in dem die Plätze fünf bis acht ausgespielt werden.

Platz fünf wäre doch okay, oder?

Matthias Nagel

Ja, sicher. Wir waren in der vorigen Saison Sechster und wissen, wo wir herkommen. Deshalb ist für uns jede Verbesserung ein Erfolg, aber auch eine Bestätigung des sechsten Platzes wäre das definitiv.

Hätte es generell andere Möglichkeiten gegeben für die Ligaspiele?

Matthias Nagel

Wir hatten uns schon 2020 gegen den Turnier-Modus ausgesprochen, wollten lieber reguläre Hin- und Rückspiele. In den anderen Sportarten funktioniert das trotz Corona doch auch, im Fußball und im Handball zum Beispiel. Ein regulärer Liga-Betrieb wäre interessanter gewesen. Wir sehen keinen Vorteil im Turnier-Modus. Aber des DSV war wenig kooperativ.

Die Spiele sollen jetzt also alle schnell, schnell abgespult werden. Im Mai wäre Schluss. Ist das eine gute Idee?

Matthias Nagel

Wir hatten angeregt, die Spiele in den Sommer zu verlegen. Dann hätte in den Freibädern gespielt werden können – das wäre mit Blick auf Corona wesentlich entspannter. Alle Fachleute sagen: draußen ist das Infektionsrisiko gleich null. Und wir wären mit Spielen im Sommer in einem halbwegs normalen Rhythmus. Der Verband war aber dagegen, Diskussionen sind nur bedingt erwünscht.

Adrijan Jakovcev

Auch vor unseren Spielen im Europa-Cup im Dezember hat uns der Verband im Regen stehen lassen. Zunächst hieß es: Man würde die Teams, die trotz Bundesligapause in Europa für Deutschland antreten, bei deren Vorbereitungen unterstützen. Am Ende mussten wir uns mangels Möglichkeiten an Testspielen/ Turnieren, die der Verband hätte organisieren wollen, in Südfrankreich auf das Turnier in Aix-en-Provence vorbereiten.

Wie geht es mit Blick auf die nächste Saison weiter?

Matthias Nagel

In diesem Jahr ist aber leider nicht mal klar, ob und wann der Pokal ausgespielt wird. Gut möglich, dass die Sportler von Ende Mai bis in den November hinein kein einziges Spiel mehr haben werden. Das ist doch verrückt, welcher Leistungssportler macht das mit? So viele Monate ohne Wettbewerb.

Was wäre die Alternative ?

Matthias Nagel

Ein schneller Start der nächsten Saison noch im September, dann könnte noch in den Freibädern gespielt werden. Es ist kaum zu glauben: die Fußballer wollen in der Kreisliga schon wieder im Sommer mit dem Spielbetrieb beginnen – und der DSV hat keine konkrete Idee, wie und wann genau der Betrieb in der Wasserball-Bundesliga starten könnte.

Und langfristig?

Adrian Jakovcev

Es geht für uns natürlich weiter, wir haben einen Plan, den wir verfolgen. Auf länger Sicht bleibt unser Ziel aber klar: wir wollen spätestens in fünf Jahren um die Deutsche Meisterschaft mitspielen. Dies werden wir aber nur gemeinsam erreichen können und dabei setzen wir auch auf die Unterstützung aller Partner und Beteiligten, um unser ambitioniertes Projekt voranzubringen und erfolgreich abschließen zu können. Zusammen sind wir stark.

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