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Ein trübes Ende für Deutschland

Der letzte Vorhang ist gefallen. Die deutschen Wasserballer verloren auch ihr fünftes und finales Spiel beim Olympiaqualifikationsturnier in Rotterdam und müssen als Elfter punktlos abreisen. Gegen den klaren Favoriten Kroatien unterlag die Mannschaft des scheidenden Bundestrainers Hagen Stamm mit 8:22 und wird bei den Spielen in Tokio die Zuschauerrolle einnehmen müssen.
Zu Beginn der Partie, die für beide Mannschaften platzierungstechnisch vollkommen wertlos war, konnte die DSV-Auswahl recht gut mithalten. Mateo Cuk nach schnell ausgespielter Überzahlsituation und Julian Real mit einem wunderbar platzierten Distanzwurf schafften es die jeweilige Führung der Kroaten auszugleichen. Mit einem wuchtigen Wurf brachte der mit viel Selbstvertrauen ausgestattete Denis Strelezkij noch einmal den Anschlusstreffer zum 3:4 zu Stande. Nach acht Minuten führten die offensivstarken Kroaten, bei denen Waspo 98 Hannover-Centerverteidiger Marko Macan mitwirkte, mit 5:3.
Fortan hatte die deutsche Mannschaft nicht mehr viel zu bestellen. Der verdientermaßen zu seinem Einsatz gekommene Schlussmann Florian Thom (OSC Potsdam) musste sehr regelmäßig hinter sich greifen. Marin Restovic und Maurice Jüngling hielten Deutschland bis zum 5:8 noch auf respektablem Abstand, doch dann setzte sich der Favorit immer mehr ab. Insbesondere Altmeister Andro Buslje brillierte mit spektakulären Gewaltwürfen und traf insgesamt fünfmal.
Nach langer Durststrecke waren noch Marko Stamm, Fynn Schütze und Julian Real mit gelungenen Würfen erfolgreich, änderten an der mehr als deutlichen Niederlage jedoch nichts mehr.
So endete der olympische Zyklus für Deutschland mit einer herben Enttäuschung, wenngleich eine Qualifikation für Tokio angesichts der Besetzung des Turniers einer gewaltigen Überraschung gleich gekommen wäre. Nach vergleichsweise starken Leistungen beim Weltcup 2017, den Europameisterschaften 2018 und 2020 sowie der Weltmeisterschaft 2019 heißt es nun für den DSV in Richtung Olympia 2024 in Paris einen neuen Anlauf zu nehmen.
Das nächste große Turnier wird dann die Weltmeisterschaft in Fukuoka / Japan werden, die pandemiebedingt auf 2022 verschoben worden ist. Dieses Unterfangen muss dann ein neuer Bundestrainer in Angriff nehmen, denn Langzeitcoach Hagen Stamm trat nach – mit kurzer Unterbrechung – 20 Jahren ab.
Hoffnung machen die durchaus mutigen Auftritte von jungen Spielern wie Denis Strelezkij, dem nach einem Handbruch soeben wieder genesenen Fynn Schütze und dem erst 18 Jährigen Zoran Bozic, die ein Versprechen für die Zukunft sein sollten.
Dennoch bleibt viel zu verbessern: Das dünne Spielerangebot in Deutschland insgesamt wurde ersichtlich, als durch den Ausfall von Ben Reibel, Tobias Preuß und Dennis Eidner ein beachtlicher Qualitätsabfall nicht zu übersehen war. Zudem hat der Wasserballsport in Deutschland keine erfolgreiche Lobby, denn der Spielbetrieb wurde coronabedingt stillgelegt, während in anderen Ländern mit weitaus höheren Infektionszahlen die nationale Meisterschaft aufrecht erhalten wurde.
Auch finanziell ist das erneute Verpassen der Olympischen Spiele kein Fortschritt, denn die ohnehin dürftigen Mittel des Staates gehen tendenziell eher noch weiter zurück. Bleibt zu hoffen, dass der DSV künftige Teilnahmen an großen Turnieren wie der Weltliga und Lehrgänge mit anderen Nationen noch finanzieren kann. Gleiches gilt für die Entwicklung der international nur noch drittklassigen Frauennationalmannschaft sowie für den Nachwuchsbereich weiblich und männlich.
Es gilt nun entschlossen anzupacken, um bei künftigen Turnieren wieder besser abzuschneiden und den deutschen Wasserball zu entwickeln. FG

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