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SVL-Wasserballer und Nationalspieler

Timo van der Bosch

Als Timo van der Bosch geboren wird, spielt seine Mutter für Heideberg in der Wasserball-Bundesliga. Und sein Vater trainiert die Heidelberger Wasserballerinnen, was er übriges heute nach wie vor macht. Als Klein-Timo 1993 das Licht der Welt erblickt ist also klar: die ersten Lebensjahre verbringt der Bub in den Bädern der Republik. Widerstand zwecklos.

Schnell wird klar: der Timo ist eine Wasserratte. Einen Schwimmkurs besucht er indes nie. Timo van der Bosch, seit 2018 Rückgrat der Wasserballer des SV Ludwigsburg, erzählt an diesem Spätsommertag auf der Terrasse der Vereinsgastst&au ml;tte Genuss im Grünen, dass er schwimmen quasi nebenbei von den Eltern gelernt habe. Er habe ja eh nahezu täglich am Beckenrand gestanden.

Als Kind und Jugendlicher spielt der Timo in der Frauenmannschaft des SV Nikar Heidelberg – Heidelberg sei eben die Hochburg des Damen-Wasserballs, sagt er. Später wechselt Timo zunächst in die zweite, dann in die erste Männermannschaft der Heidelberger, in der Oberliga spielt er zusammen mit seinem Vater. Dann der nächste Schritt, der für „einen Kleinkrieg in der Familie“ sorgt: Timo spielt nun für die lokale Konkurrenz, für die SGW Leimen/Mannheim. 15 Jahre ist er damals alt – und tritt fortan in der zweiten Männer-Liga an. Spätestens damals ist klar, der Timo will zu Olympia.

Gut zehn Jahre später kann dieser Wunsch Wirklichkeit werden. Timo van der Bosch ist nicht nur einer der wichtigsten Spieler des SVL, er hat den Club in die Pro A geführt und spielt jetzt, am Mittwoch 2. September, mit Ludwigsburg um Platz fünf in der obersten deutschen Liga. Der Landespolizist van der Bosch ist als Nationalspieler von Mitte September an komplett vom Dienst freigestellt – um sich optimal auf das Olympia-Qualifikationsturnier Anfang nächsten Jahres vorbereiten zu können. Der Kindheitstraum von Olympia lebt – auch in diesem skurrilen Corona-Jahr, das dafür gesorgt hat, dass die Spiele um eine Jahr verschoben werden müssen, und dass die Ludwigsburger Wasserballer – wie fast alle Sportler – im Frühjahr gut acht Wochen lang kaum trainieren konnten.

Hundertprozentig verlassen will sich van der Bosch – er ist aktuell auch Ludwigsbuger Sportler des Jahres – nicht darauf, dass die Spiele im nächsten Sommer tatsächlich in Tokio ausgetragen werden. Wer weiß wie sich die weltweite Pandemie entwickelt. Aber die Gedanken an einen zweiten Lockdown versuche er so gut wie möglich wegzuschieben. Es helfe ja nichts. Van der Bosch sagt, er habe jetzt top Trainingsmöglichkeiten, bessere als in Esslingen oder in Cannstatt. Der gebürtige Heidelberger hat in den vergangenen Jahren außer für diese beiden Vereine auch für den seit langem besten Verein Deutschlands gespielt: für die Wasserfreunde Spandau.

Vor seinem Wechselt nach Ludwigsburg habe er auch lukrative Angebote aus dem Ausland gehabt, erzählt van der Bosch an diesem Tag kurz bevor das Training im Freibad Hoheneck beginnt. In Frankreich oder in Italien „hätte ich viel Geld verdienen können“. Er habe sich aber auch wegen seines Traumberufs Polizist für Deutschland entschieden, und für die in Süddeutschland zurzeit besten Trainingsbedingungen in Ludwigsburg. Für ihn sei schon länger klar: er wolle langfristig in Baden-Württemberg bleiben.

Mit Blick auf die Perspektiven in der Barockstadt sagt der Center van der Bosch, es sei realistisch mit dem SVL in Deutschland unter die top drei Teams zu kommen. Nur Waspo Hannover und Spandau spielten derzeit in einer Liga für sich.

Dass dieser Timo van der Bosch tatsächlich Wasserball-Nationalspieler wird beziehungsweise bleibt, das war lange nicht ausgemacht. Als Jugendlicher war der Ausnahmeathlet nämlich nicht „nur“ in der deutschen Wasserballer-Auswahl, sondern auch Mitglied der Rugby-Nationalmannschaft. Im Alter von 16 Jahren habe er sich dann schweren Herzens fürs Wasserball entschieden – und diesen Schritt nie bereut.

Weil er im Wasserball-Nationalteam ist, kann der freigestellte Beamte in den nächsten Wochen und Monaten trainieren, trainieren und nochmal trainieren. Anders, sagt er, „geht das auch nicht“ – es wäre kaum möglich, ohne diese quasi-Profibedingungen mit Wasserball-Nationen wie Kroatien, Montenegro und Griechenland mitzuhalten. Und eine dieser die top Mannschaften müsse Deutschland beim Olympia-Qualifikationsturnier in Rotterdam unbedingt hinter sich lassen. Von September an könne er nun täglich trainieren, sagt van der Bosch, zehnmal die Woche im Wasser und dazu fünfmal Krafttraining. Ruhepausen? „Donnerstag abends haben wir frei“, sagt der Sportler und lächelt ganz zufrieden. Bis dato habe er als Polizist oft zwei ganze Tage am Stück gearbeitet, dann aber drei Tage frei gehabt. Dieser Arbeitsrhythmus habe auch Vorteile, zum Beispiel oft frei unter der Woche, sei für das Training aber nicht optimal.

Polizist sei er super gerne, „weil ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe und gerne helfe“. Ein paar Jahre wolle er weiter auf höchsten Niveau Wasserball spielen. Bis Olympia 2024? „Weiß ich noch nicht“, ist die schnellen Antwort. Er könne sich aber sehr gut vorstellen noch bis Mitte 30 für den SVL anzutreten, also weitere knapp zehn Jahre lang. Auch für den Fall, dass er eines Tages wieder zurück in seine Heimatstadt Heidelberg ziehen sollte und möglicherweise in einer Spezialeinheit der Polizei arbeiten sollte, was eine Option für die berufliche Zukunft sei. Mehrmals wöchentlich mit dem ICE nach Ludwigsburg zum Training fahren, das sei gar kein Problem.

Das Bundesligaspiel gegen Duisburg im Freibad Hoheneck am Mittwoch, 2. September, beginnt um 19.30 Uhr. Tickets gibt es wegen Corona nur online unter app.svl08.com/formular/dwl

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