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TRAINER FÜR GENERATIONEN: GERHARD THIEDKE WIRD 85

Was wäre die Sportart Wasserball ohne ihre Macher? Mit dem Berliner Original Gerhard Thiedke feiert einer der bekanntesten Namen am heutigen Donnerstag seinen 85. Geburtstag. Ein Rückblick auf dessen über Jahrzehnte währende Trainerkarriere verbindet gleich mehrere Epochen der deutschen Wasserballgeschichte, und ganze Generationen von Spielern und insbesondere auch Spielerinnen verehren ihren einstigen Lehrmeister bis heute.

Begonnen hatte alles im Stadtteil Neukölln, wo die Familie Thiedke ausgebombt 1945 mit dem neunjährigen Gerhard nach Woltersdorf in Richtung Osten zog. Dort absolvierte der Sohn in der damaligen DDR eine Maurerlehre und arbeitete dort unter anderem am Bau der Stalinalle (heute Karl-Marx-Allee) mit. 1957 zog es ihn zu den Wurzeln seiner Kindheit und zur Großmutter zurück nach Neukölln, wo auch die sportliche Karriere ihren Ausgang nahm. Erster Verein des Brustschwimmers wurde in den 1960er-Jahren der Berliner SSC Germania 1887, dessen Wasserballer 1912 und 1913 die beiden ersten deutschen Meisterschaften der Sportart gewannen. Aus dem Schwimmer wurde bald ein Wasserballtorwart, der seine Vorderleute hervorragend zu dirigieren verstand und schon bald zum Spielertrainer befördert wurde.

Mit der Erwerb der ersten Lizenz ging die Laufbahn auf der Trainerbank erst richtig los: Männertrainer bei der damaligen Schwimm-Union Neukölln (einer der Vorläufer der heutigen SG Neukölln), Verbandstrainer im Jugendbereich des Berliner Schwimmverbandes und als wohl reizvollste Aufgabe von 1973 bis 1986 Assistenztrainer unter dem legendären Alfred Balen bei dem neuen deutschen und dann auch internationalem Wasserballstern Wasserfreunde Spandau 04, dessen nationale Siegesserie 1979 einsetzte. Über diesen „Glücksfall für den deutschen Wasserball“ schwärmt Thiedke immer noch in den höchsten Tönen: „Ohne ihn hätte ich nie mein heutiges Wissen über unseren schönen Sport erhalten können, und dafür bin ich ihm überaus dankbar“, hatte sich der Jubilar zu seinem 75. Geburtstag geäußert. Diese erfolgreichste Ära des deutschen Wasserballs prägte auch sein sportliches Motto: „Einsetzen – Durchsetzen – Nachsetzen“.

Von 1978 bis 1988 war Thiedke Landestrainer beim Landessportbund Berlin und erwarb in dieser Zeit auch 1980 in Warendorf seine A-Lizenz für die Sportart Wasserball, die er über Jahrzehnte bei den Fortbildungen regelmäßig erneuerte. Immer mehr wandte sich der inzwischen begehrt gewordene Trainer dem Frauenbereich zu. Bereits 1985, dem Jahr des Bronzemedaillengewinns der deutschen Frauen bei den ersten Europameisterschaften in Oslo (Norwegen), wurde er mit dem Steglitzer SC Südwest in Brühl deutscher Meister, 1986 folgte in Hamburg der erneute Titelgewinn mit der SU Neukölln. Es waren die ersten von sechs deutschen Meistertiteln, diese teilweise zusammen mit Sohn Henry, die bis 1998 in die Bundeshauptstadt gingen und im Duell mit den Hochburgen des Westens stets auf den legendären Sechserendrunden erkämpft werden mussten.

Bei den Frauen folgten bald auch Auftritte auf der internationalen Bühne: Mit dem Vereinsteam der SU Neukölln belegte Thiedke in dem 1987 eingeführten Europokal unter anderem einen dritten und zwei vierte Plätze. Zuvor hatte der Deutsche Schwimm-Verband den Berliner 1987 als Trainer der Frauennationalmannschaft engagiert, die er bis 1993 betreute. Zu den internationalen Höhepunkten der DSV-Auswahl gehören hier (unter zumeist bescheidenen finanziellen Bedingungen) die sechsten Plätze beim Weltcup-Turnier 1989 in Eindhoven (Niederlande) und bei der Weltmeisterschaft 1991 in Perth (Australien). Dazu kamen bei vier Europameisterschaften in Serie von 1987 bis 1993 die Ränge vier, fünf und zweimal sechs. Es sind Resultate, die seitdem ohne eine Wiederholung geblieben sind.

Nach dem Rücktritt 1998 bei den Neuköllner Frauen war Engagement im Nachwuchsbereich angesagt: Hier hatte Thiedke bereits 1979 mit der C-Jugend mit Spandau 04 die deutsche Meisterschaft gewonnen. Jetzt folgten in einem Alter, in dem sich andere Personen auf ihren Ruhestand vorbereiten, eine Tätigkeit im Auftrag des Berliner Schwimmverbandes, wobei er sich insbesondere als Landestrainer für die neu eingeführte Altersgruppe der D-Jugend (damals bis 12 Jahre, später dann U13) verantwortlich zeichnete. Über lange Jahre waren Auswahlauftritte ohne Berliner Medaillen auch hier schlicht undenkbar, doch sah er sich hier auch gerne auch als „Sozialarbeiter“. 2013 erfolgten die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande wie auch die Ehrung für eine 40-jährige Trainertätigkeit im Dienste des Berliner Schwimmverbandes.

Angesichts der anhaltend schwierigen Lage sind Geburtstagsfeierlichkeiten in größerer Runde heute nicht möglich, sollen dem Vernehmen nach aber bei passender Gelegenheit nachgeholt werden. Gänzlich ausfallen muss zum besonderen Leidwesen des Jubilars allerdings der mittlerweile traditionelle Spanienaufenthalt, bei dem er zu Jahresbeginn zusammen mit langjährigen Ehefrau Thea auf Anraten seines alten Spezies Dr. Roland Freund den trüben deutschen Wintermonaten entkommt. Seit 2001 verbringt das Paar jeweils mehrere Wochen in der trockenen Luft der Costa del Sol in dem Ort Roquetas del Mar (westlich von Almeria) und ist dort mittlerweile ebenfalls gut bekannt.

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