Hagen Stamm: „Ich habe viel Glück gehabt in meiner Laufbahn“

Olympia-Qualifikation der Wasserballer in Rotterdam vom 14. – 21. Februar
3. Juni 2020
Der SV Zwickau 04 trauert um sein Ehrenmitglied
12. Juni 2020
Alle anzeigen

Hagen Stamm: „Ich habe viel Glück gehabt in meiner Laufbahn“

Die Wasserball-Legende über sportliche Ziele und seinen 60. Geburtstag.

Nicht nur für die Medien ist Hagen Stamm Mister Wasserball in Deutschland. Als Spieler gewann er Olympia-Bronze 1984, die EM-Titel 1981 und 1989, mit den Wasserfreunden Spandau 04 wurde er 14 Mal Deutscher Meister und vier Mal Europapokalsieger. Heute ist der Unternehmer dort Vereinspräsident und auch Bundestrainer der deutschen Wasserball-Männer. Gern würde er nach drei Teilnahmen als Spieler in Tokio 2021 auch als Coach zum dritten Mal Olympia erleben. Vorher darf aber schon mal gratuliert werden: Am Freitag wird Hagen Stamm 60. Ein Interview zum Ehrentag.

Wasserballer gelten als Feierbiester. Also wird die runde Zahl zünftig gefeiert, oder?
Hagen Stamm: Mit der Familie werden wir sicher nett den Freitag miteinander verbringen, durch Corona bedingt gibt es aber nichts Großes. Die Feier, die ich sonst sicher gemacht hätte, muss erst einmal ausfallen. Ob wir die dann wirklich später irgendwann nachholen, weiß man ja nie so richtig, da müssen wir erst mal gucken. Die Welt ist ja entschleunigt worden in den letzten zwölf Wochen, da geht man auch so einen 60. Geburtstag ruhiger an.

Also gönnen Sie sich sogar mal einen freien Tag?
Hagen Stamm: Kommt drauf an, was da kurzfristig anfällt. Bei mir dreht sich eigentlich jeder Tag um Wasserball und das Fahrrad-Business, das wird sich nicht so schnell ändern.

Im Sport gab es die Olympia-Verschiebung, auch geschäftlich sind das gerade sicher schwierige Zeiten, oder?
Hagen Stamm: Die Lage für den Unternehmer Stamm hat sich mittlerweile erheblich entspannt, nach den Corona-Lockerungen gibt es einen schönen Nachfrageboom nach Fahrrädern, der die Wunden heilt. Da haben wir Glück gegenüber anderen Branchen und sehen schon den Silberstreif am Horizont. Im Wasserball können und müssen wir uns erst einmal mit der Zeitverzögerung arrangieren und die Jungs motivieren, das Ganze ein Jahr später noch mal anzugehen.

Der Weltverband FINA hat das Olympia-Qualifikationsturnier in Rotterdam für 14. – 21. Februar 2021 gerade neu angesetzt. Pusht das aktuell die Motivation?
Hagen Stamm: Das ist richtig. Wir hoffen zudem, dass die Bundesligasaison zu Ende gespielt werden kann, die Vereine tagen dazu per Videokonferenz jeweils in den nächsten zwei Wochen. Die Topteams Hannover und Spandau sind dafür und als Bundestrainer wünsche ich mir das auch, weil die Nationalspieler so wieder Motivation bekommen und auch kurzfristiger wieder ein Ziel vor Augen sehen. Dann könnten wir wahrscheinlich im Oktober auch mit der neuen Bundesligasaison 20/21 beginnen, die Champions League soll dann ja ab November wieder losgehen. Mit diesen drei Zielen würden wir uns dem übergeordneten Ziel Olympia-Qualifikation wieder gut annähern und könnten uns dann ab Ende Dezember darauf konzentrieren, uns auf Rotterdam vorzubereiten.

Bleiben nach der Olympia-Verschiebung eigentlich alle Spieler weiter an Bord?
Hagen Stamm:Es war sicher nicht leicht für einen Spieler, der sich nach diesem Sommer nach Olympia auf Familie, Ausbildung oder Beruf konzentrieren wollte. Diese Wege sind ja dann meist langfristig eingeschlagen und zugesagt worden und lassen sich nicht immer einfach so umleiten. Daher habe ich schon Sorge, bis das alles wieder so richtig losgeht. Natürlich habe ich mit allen Spielern telefoniert und alle haben erst einmal gesagt, sie bleiben dabei und packen es an. Aber in der Zwischenzeit kann eben viel passieren und deswegen ist es wichtig, dass sie zwischendurch auch Motivationsschübe kriegen, ein Re-Start der Bundesliga könnte so ein Schub sein.

Was planen Sie eigentlich für die Zeit nach Olympia in Tokio?
Hagen Stamm: Ich bin sehr gern noch mal zurückgekehrt, um den deutschen Wasserball aus dem Dornröschenschlaf zu holen, aber nach Tokio sollte dann ein anderer ran. Diese 60 auf dem Kerbholz sind vielleicht ein Zeichen, um langsam auch noch andere schöne Aufgaben zu übernehmen. Meine über 200 Mitarbeiter erwarten mich dann wieder öfter im Büro. Außerdem bin ich ja ein ausgeprägter Familienmensch mit schon drei tollen Enkelkindern.

Quelle:DSV App

Es können keine Kommentare abgegeben werden.