Was wird aus den weiteren Saisonhöhepunkten?

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Was wird aus den weiteren Saisonhöhepunkten?

Die Olympischen Spiele in Tokio (Japan) sind auf das kommende Jahr verlegt worden, doch für 2020 stehen reichlich weitere Saisonhöhepunkte im Kalender, deren Schicksal noch zu klären bleibt. Betroffen sind von den Ungewissheiten insbesondere auch die deutschen Wasserball-Nationalmannschaften, auf die auch ohne Olympiateilnahme reichlich Veranstaltungen warten würden. Allerdings halten sich die internationalen Fachverbände FINA wie auch LEN mit definitiven Entscheidungen weiter zurück, so dass dem DSV zunächst nur ein Abwarten bleibt.

Das ursprünglich für Ende März geplante Olympiaqualifikationsturnier der Männer in Rotterdam (Niederlande) war in der Neuansetzung auf den 31. Mai bis 7. Juni gelegt worden, dürfte aber nach der nunmehr feststehenden Verlegung der Tokio-Spiele auf den Sommer 2021 in die neue Saison wandern. Für Rotterdam hatte sich die FINA eine Entscheidungsfrist bis zum 30. April gesetzt, allerdings sollte die Neuansetzung dieser Veranstaltung – zumindest terminlich – noch das geringste Problem sein. Schwieriger gestaltet sich aus deutscher Sicht allerdings das Faktum, dass damit eine gänzlich neue Vorbereitung mit all ihren finanziellen, planerischen und auch emotionalen Problemen zu organisieren ist.

Das nächste Problem auf der Terminliste sind die erstmals ausgeschriebenen U16-Weltmeisterschaften, die als Parallelveranstaltung für den männlichen wie auch weiblichen Nachwuchs vom 5. bis 12. Juli in Volos und Larissa (jeweils Griechenland) zur Austragung kommen sollten. Für gleich beide Turniere hat auch der DSV gemeldet, allerdings dürfte dieser Termin ebenso nur noch schwerlich zu halten sein. Zur Verdeutlichung der Problematik: In der gleichen Woche hätte beispielsweise mit dem Tennis-Turnier in Wimbledon ein Weltsportereignis stattgefunden, das schon in der vergangenen Woche abgesagt worden ist.

Ob in gut drei Monaten internationaler Wasserball gespielt werden kann, erscheint angesichts der aktuellen Bilder aus Italien, Spanien und den USA in der Tat mehr als fraglich. Die Probleme sind dabei nicht nur rein medizinischer Natur: Für ein 20- bzw. 16-Nationen-Turnier müsste wieder weltweites Reisen möglich sein, doch dazu bedarf es der Grenzöffnungen wie auch einer Wiederaufnahme des weitgehend gestoppten Flugverkehrs. Doch selbst dieses ist nur eine Seite der Medaille: Von DSV-Seite war in der Saisonplanung angedacht worden, Mitte Mai in die direkte Vorbereitung einzusteigen, doch aktuell sind bundesweit so gut wie alle Sportstätten bis auf Weiteres geschlossen.

Etwas mehr Spielraum haben FINA und LEN dagegen bei den weiteren Veranstaltungen: Die U18-Weltmeisterschaften in Istanbul (Türkei/männlich) und Netanya (Israel/weiblich) sowie die U19-Europameisterschaften in Volos (männlich) und Ostia (Italien/weiblich) kommen dagegen erst zu den traditionellen Terminen im August bzw. September zur Austragung. Im Falle der U19-EM in Volos müsste die LEN allerdings vorab noch ein Qualifikationswochenende durchziehen, so dass dieser geplante Termin auch anderweitig unter Druck gerät. Auch hier wartet der DSV derzeit auf die Entscheidungen von LEN und FINA.

Allerdings bleibt selbst bei den Veranstaltungen des Spätsommers fraglich, ob sich bis dahin noch eine ausreichende Normalisierung der Situation erreichen lässt. Immerhin: Für diese sechs Wettbewerbe gäbe es anstelle der für die Nachwuchskräfte besonders schmerzhaften Totalabsagen noch die Option, die Veranstaltungen kalendarisch weiter nach hinten zu schieben. So fanden beispielsweise im vergangenen Jahr die U20-Weltmeisterschaften in Kuwait direkt vor den Weihnachtsfeiertagen statt, was mit hierfür gewappneten Ausrichtern auch für die 2020er-Championate denkbar wäre.

Die genannten Szenarien sind denkbar, doch die massiven Planungsunsicherheiten werden selbst mit neuen Veranstaltungsdaten bis auf Weiteres nicht gänzlich verschwinden. Das Virus wird sich kurzfristig nicht komplett besiegen lassen, und der mit den Verlegungen drohende terminliche Overkill macht die Situation nicht attraktiver. Zudem bleibt mit den Neuansetzungen die Frage, ob sich die teilnehmenden Länder in einer Phase der kaum abwendbaren wirtschaftlichen Rezession diese wahre Flut von Veranstaltungen auch noch finanziell werden leisten können.

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