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DSV fordert zusätzliche Frauenteams

Wie kann sich die Sportart Wasserball besser aufstellen, und wie lässt sich insbesondere auch der seit langen Jahren kriselnde Frauenwasserball fördern? Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) will hier der Notbremse ziehen und greift jetzt zu einer drastischen Maßnahme: Spätestens ab der Saison 2020/2021 müssen die Männer-Vereine der Deutschen Wasserball-Liga (DWL) zusätzlich auch eine Frauenmannschaft für den Punktspielbetrieb melden.

Die Zahlen sind ebenso drastisch wie unübersehbar: Obwohl mehr als Hälfte der DSV-Mitglieder weiblichen Geschlechts ist, stellen Frauen und Mädchen nur etwa 1.500 der mehr als 10.000 lizensierten Aktiven im DSV – ein nicht Missverhältnis. Die Gründe sind vielfältiger Natur, allerdings ist vielerorts das Interesse am Frauenwasserball schlichtweg nicht vorhanden. An manchen Standorten mag dieses tatsächlich an fehlenden Wasserzeiten und anderen Problemen im Umfeld liegen, doch zumindest die DWL-Vereine will der Verband mit der ungewöhnlichen Maßnahme jetzt in die Pflicht nehmen.

Derzeit verfügen nur der SV Bayer Uerdingen 08, Waspo 98 Hannover, Wasserfreunde Spandau 04 (alle DWL) und der SSV Esslingen (2. Liga Süd) über Frauenmannschaften im Punktspielbetrieb. Aktuell hat sich das zu Saisonbeginn neugemeldete Spandauer Team sogar zum Titelfavoriten der DWL gemausert, wobei in der Bundeshauptstadt neben aktiven und reaktivierten Spielerinnen anderer Vereine auch Quereinsteigerinnen zum Einsatz kommen. Rekrutiert wurden unter anderem ehemalige Leistungsschwimmerinnen, so dass die Sportart in diesem Fallbeispiel teilweise zu ihrem Wurzeln und auch zu einem früheren Erfolgsrezept zurückgekehrt ist.

Trotz des spektakulären Spandauer Beispiels sind die Vereine nicht gezwungen, für die DWL der Frauen melden: Es reicht bereits die Teilnahme an einer regionalen Punktspielrunde, wie es heißt. Hier wären die finanziellen Anforderungen überschaubar, auch der sportliche Einstieg fällt deutlich leichter. Zudem hätte dieses den unmittelbaren Effekt, dass dann endlich wieder ein Unterbau im Frauenwasserballs existierte. „Wenn auch noch Neukölln, Wedding, Potsdam und Plauen melden würden, hätten wir sofort wieder eine Regionalliga Ost“, legt ein Funktionär schwer von der Hand zu weisende Zahlen vor. Mit dann wieder vorhandenen Spielmöglichkeiten ließen sich dann auch wieder andere Vereine und Startorte für ein Engagement im Frauenwasserball gewinnen.

Die existierenden Frauenvereine müssten sich ihrerseits zudem mehr um Nachwuchs vor Ort bemühen, anstatt die wenigen Aktiven aus der Region oder gar der Landesgruppe zu zentralisieren. Die drastische Maßnahme soll jedoch nicht nur mehr Spielerinnen und damit auch mehr Talente für die Nationalmannschaften hervorbringen: Sie dürfte auch zusätzliche Helfer unter Interessen im Umfeld der Sportart generieren, was auch dem Männerbereich zugutekäme. Da sich die Mehrzahl der Zuschauer zudem häufig aus der Fanszene rekrutiert, ließe sich auch eine Trendumkehr bei den Zuschauerzahlen zumindest initiieren. Alleine schon aus diesem Grunde würde sich für die beteiligten Vereine wie auch die Sportart insgesamt diese drastische Maßnahme „rechnen“.

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