Schon wieder Spandau vs. Hannover – diesmal aber weiblich

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Schon wieder Spandau vs. Hannover – diesmal aber weiblich

Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen: hiermit gibt es quasi eine Extra-Pressemitteilung der Wasserfreunde Spandau 04 aus im direkten Wortsinne schönem Anlass. Denn der Verein hat seit einiger Zeit auch eine Wasserball-Frauenmannschaft und selbige bestreitet am Sonntag, zu adventsgenehmer Zeit um 12 Uhr, in der 1. Bundesliga ihr erstes Heimmatch. Ausgerechnet gegen Waspo 98 Hannover (da war doch was?), Vizemeister der Vorsaison und im laufenden Spieljahr bereits Supercup-Gewinner. Das generell erste DWL-Match ihrer Geschichte haben die WasserfreundInnen am 24. November beim Vorjahrs-Vierten SC Chemnitz 1892 bestritten und ein respektables 15:15 erreicht.

In den 80er Jahren gab es schon mal kurze Zeit in der damaligen Berliner Liga Spandauer Wasserball-Aktive im Badeanzug, aber das hatte nicht lange Bestand. Nun also ein neuer Versuch, und was der Trainer des Teams dazu sagt, hört sich vielversprechend an. Er hat einen prominenten Namen, denn es ist Männer-Kapitän, Nationalspieler und 04-Präsidentensohn Marko Stamm (30), der seit 15 Monaten am Beckenrand alles gibt für künftigen Erfolg. Das folgende Interview ist Beleg dafür.

Marko Stamm, Energiebündel und Emotionsvulkan im Wasser und jetzt Denker und Lenker am Beckenrand – das haben Dir viele nicht zugetraut!

Kann sein, aber Irren ist menschlich. Ein bisschen hat ja auch der Zufall und auch die Emotion, oder genauer die Liebe, eine Rolle gespielt. Seit zwei Jahren bin ich mit Nationalspielerin Belén Vosseberg zusammen, die lange bei Frauen-Serienmeister Bayer Uerdingen und dann für Vize Waspo 98 Hannover gespielt hat. Inzwischen ist sie in Berlin zuhause und dann haben wir mit meinem Vater (Hagen Stamm – Wasserball-Ikone der 80er und 90er, jetzt 04-Präsident und Bundestrainer, d.Red.) mal am Abendbrottisch rumgesponnen, ob denn Berlin nach dem Abschied der SG Neukölln 2015 nicht wieder ein Wasserball-Frauenteam vertragen könnte. Die allgemeine Antwort war: Na klar! Aber wenn, dann ganz oder gar nicht!

Wie gesponnen, so gewonnen, könnte man meinen …

Stimmt. Natürlich gab es eine Menge vorzubereiten, praktisch und gedanklich. Aber vor rund 15 Monaten haben wir mit damals vier Mädels die erste Trainingseinheit bestritten und aktuell sind wir nun schon 21. Mit Belén und Jennifer Stiefel von Nikar Heidelberg – die eine DWL-Torschützenkönigin der Vorsaison, die andere bei der Endrunde im Mai als „Beste Spielerin“ ausgezeichnet, haben wir zwei Top-Spielerinnen aus dem Nationalteam in unseren Reihen – und eine ganze Reihe weiterer guter Frauen, die den Anfängerstatus längst hinter sich haben.

Aus welchen anderen Sportarten habt ihr Euren Kader rekrutiert?

Natürlich vor allem aus dem Schwimmen, das ist eine gute Vorausbildung. Vier unserer Frauen können die 100 Meter Freistil unter einer Minute kraulen. Aber wir haben zum Beispiel auch eine ehemalige Speerwerferin und Fußballerinnen im Kader. Auch die Neuköllnerin Mariam Salloum, Ex-Nationalspielerin, will uns unterstützen – als Co-Trainerin und im Becken. Was den Umstieg vom Schwimmen zum Wasserball angeht, kann ich sehr gut eigene Erfahrung einbringen. Diesen Weg bin ich auch mal gegangen.

Marko Stamm und einfach nur Dabeisein, das geht doch gar nicht. Was ist das Ziel?

Was wir jetzt angehen, steht ganz klar unter der Überschrift Leistungssport. Wir trainieren 12 Mal in der Woche, damit sind wir national ganz vorn dabei. Wir wollen viele kleine Schritte machen, die dann irgendwann vielleicht auch mal in einen großen Sprung münden. Eine Medaille aber will ich auf jeden Fall auch schon im Premierenjahr holen. Es ist ein glücklicher Umstand, dass die Spielpläne von Männern und Frauen so festgelegt sind, dass die Frauen in der Regel am Sonntag dran sind – das paßt.

Hat Marko Stamm ein besonderes Trainer-Händchen für Frauen?

(Lacht) – Das wird sich zeigen. Bis dato kann ich nicht klagen. Viele der Mädels sind Studentinnen, andere arbeiten bereits. Allen gemeinsam ist ihre Leidenschaft für Wasserball. Sie saugen alles auf, was sie vermittelt bekommen, wollen immer noch mehr wissen und lernen. Das macht Spaß und motiviert. Das 15:15 in Chemnitz, bei dem wir noch kurz vor Schluß vorn lagen, war eine richtige Initialzündung. Jennifer Stifel hat sechs, Belén vier Tore erzielt. Und unsere 16-jährige Keeperin hat trotz einer zwei Tage zuvor im Training erlittenen Gehirnerschütterung trozdem gestanden – und ihr bislang bestes Spiel gemacht. 

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