Heimischer Wasserball-Nachwuchs erkämpft sich Silber / Berlin gewinnt
30. Mai 2018
Waspo vergibt Matchball
30. Mai 2018
Alle anzeigen

Treffen mit der Geschichte …

Die Schlacht um die Kür des 97. deutschen Wasserballmeisters seit 1912 geht unvermindert weiter, und es könnte durchaus episch werden: Trotz der 4:9-Heimniederlage in der dritten Partie führt Pokalsieger Waspo 98 Hannover im Finalduell der Deutschen Wasserball-Liga (DWL) weiterhin mit 2:1 Siegen gegen Titelverteidiger Wasserfreunde Spandau 04, ehe die „best of five“-Serie (drei gewonnene Partien in fünf möglichen Spielen) nun am heutigen Mittwochabend ihre Fortsetzung in Berlin erfährt. Das Anschwimmen startet in der Schöneberger Schwimmsporthalle wieder um 19:30 Uhr. Der Gastgeber wird über Facebook auch wieder einen Livestream der Partie anbieten.

Der Spandauer Sieg in der Sonntagspartie mit dem Abwehren des ersten „Matchballs“ der Hannoveraner wirkte nach zuletzt vier Niederlagen in den direkten Vergleichen gegen die Niedersachsen in Serie beinahe wie ein Lebenszeichen, zumal es tags zuvor noch ein 7:11 gegeben hatte. Die am Ende jeweils deutliche Höhe der Siege bei den beiden Wochenenduellen können die Aktiven wie auch die Verantwortlichen getrost ignorieren: Beide Male lief es aus Sicht des Siegers einfach gut, für den Verlierer war es am Ende ein „gebrauchter Tag“, wie es ein Zuschauer treffend formuliert hat. „Aber die Art und Weise hat hoffentlich mentale Spuren hinterlassen. Wir wollen den Ausgleich“, hofft Spandaus Manager Peter Röhle dennoch auf eine Signalwirkung für den Fortgang der Finalserie.

War es vor dem Auftaktduell in Berlin wie auch dem Hannover-Wochenende noch vergleichsweise ruhig zugegangen, sind nun mittlerweile die Debatten im Umfeld und in den Medien mit zum Teil harten Bandagen im vollen Gange. „Ich kann beiden Seiten im Interesse des Wasserballs nur raten, sich zurückzunehmen“, gibt sich der DSV-Fachsparten-Vorsitzende Rainer Hoppe (Krefeld) ebenso mahnend wie besorgt, zumal die Wasserballsaison nicht mit dem DWL-Finale enden wird. Der frühere Olympiamedaillengewinner hat mit den Europameisterschaften in Barcelona (Spanien/14. bis 28. Juli) und dem Weltcup in Berlin (11. bis 16. September) die Saisonhöhepunkte der Nationalmannschaft im Blickpunkt, wo die deutschen Aktiven beider Teams den Kern des DSV-Aufgebots stellen.

Nach den jeweils fernsehreifen Roten Karten des Wochenendes am vergangenen Sonntag gehen beide Teams in jedem Fall ohne ihre etatmäßigen Trainer in die morgige Fortsetzung. Auf Spandauer Seite würde Co-Trainer Peter Röhle nahtlos nachrücken, der ohnehin bei allen Spielen des Meisters auf der Bank sitzt und bereits von 1997 bis 2006 als Cheftrainer des Rekordmeisters amtiert hat. Dramaturgisch zugespitzt könnte es bei den Gästen zugehen: Vereinspräsident Bernd Seidensticker hatte bereits beim Meistertitel des Jahres 1993 mitten in der laufenden Saison die Mannschaft als Trainer übernommen und in den Play-offs als Tabellenfünfter zum Titelgewinn geführt – dieses unter anderem mit einem Auswärtssieg bei Spandau im Halbfinale.

Auch die Gäste setzen auf Sieg und Titelgewinn – dieses möglichst schon in Berlin: „Es sind die Play-offs, da zählen nur die Siege, und es steht 2:1 für uns. Es ist ein offenes Spiel, da kann alles passieren. Am Ende werden wir gewinnen, vielleicht schon diese Saison“, sagt Bernd Seidensticker, der in der morgigen Partie unfreiwillig zum direkten Meistermacher werden könnte. Fragezeichen standen zuletzt auf hannoverscher Seite nach Protokolleintragungen auch hinter den Teilnahmeberechtigungen der beiden montenegrinischen Topspieler Aleksandar Radovic und Darko Brguljan, allerdings gehen Beobachter davon aus, dass beide Aktive im Gegensatz zu Trainern morgen Abend mit dabei sein werden.

In Sachen Dramatik kann es damit am morgigen Abend in Berlin und vielleicht am Sonnabend in Hannover weitergehen, allerdings: Spandau muss erst einmal nicht weniger als die Geschichte besiegen: Seit Einführung von „best of five“-Serien im Jahre 2001 konnte noch kein DWL-Team in den Play-offs einen 0:2-Rückstand aufholen. Rekordmeister Spandau 04 als Inhaber aller nur denkbaren Bestmarken der Sportart muss nun aus der umgekehrten Position eigenhändig für ein Novum im deutschen Wasserball sorgen, Waspo 98 will die dagegen Wachablösung im nationalen Vereinswasserball erzwingen – und das geht nur über den Titelgewinn. Die Fortsetzung der Finalserie ist daher für beide Teams auch ein Treffen mit der Geschichte …

Deutsche Wasserball-Liga 2017/2018

Finale Pro A („best of five“)

Mittwoch, den 30. Mai 2018 (Spiel 4)
19:30 Wasserfreunde Spandau 04 – Waspo 98 Hannover (Schöneberger Schwimmsporthalle – Seidel/Homolka/Lehn)

Ansetzungen und Resultate in der Übersicht

Mittwoch, den 23. Mai 2018 (Spiel 1)
19:30 Wasserfreunde Spandau 04 – Waspo 98 Hannover 7:10 (1:2, 3:1, 2:3, 1:4) => Stand der Serie: 0:1

Sonnabend, den 26. Mai 2018 (Spiel 2)
18:00 Waspo 98 Hannover – Wasserfreunde Spandau 04 11:7 (2:2, 4:1, 3:0, 2:4) => Stand der Serie: 2:0

Sonntag, den 27. Mai 2018 (Spiel 3)
12:00 Waspo 98 Hannover – Wasserfreunde Spandau 04 4:9 (1:3, 1:1, 1:3, 1:2) => Stand der Serie: 2:1

Mittwoch, den 30. Mai 2018 (Spiel 4)
19:30 Wasserfreunde Spandau 04 – Waspo 98 Hannover (Schöneberger Schwimmsporthalle – Seidel/Homolka/Lehn)

Sonnabend, den 2. Juni 2018 (Spiel 5 – bei Bedarf)
18:00 Waspo 98 Hannover – Wasserfreunde Spandau 04 (Stadionbad – Mauss/M. Schmälzger/Lehn)

Es können keine Kommentare abgegeben werden.