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Des Trainers „Lizenz zum Ballern“

München bleibt beim schweren Auswärtswochenende gegen Pforzheim und Leimen weiter ungeschlagen
Die Euphorie von Trainer Mikić hielt noch an, als die Wasserballer schon lange wieder in Bayern waren – und wurde nur dadurch getrübt, dass der einzige Student der Münchener nicht mit ihm an diesem Sonntagabend feiern gehen wollte. „Ich könnte jetzt in den Club gehen – was ein geiles Wochenende!“ resümierte er, nachdem sich die Mannschaft 34 Stunden zuvor zum richtungsweisenden Wochenende nach Baden-Württemberg zur Abfahrt traf.
Die Ausgangssituation war klar: zwei Siege waren unabdingbar, um weiterhin erster Verfolger vom bisher ebenfalls ungeschlagenen Spitzenreiter SV Weiden zu werden. Bei einer Niederlage würde man sich schon fast aus dem Titelrennen verabschieden.

Samstagabend begann das Wochenende mit einem unangenehmen Spiel in Pforzheim. Im Hexenkessel Emma-Jaeger-Bad trafen die Münchener auf ihren Angstgegner, nachdem sie in den vergangenen Jahren in der Liga dort noch nie zwei Punkte mitnehmen konnten. Entsprechend angespannt begannen die Bayern das Spiel und lagen schnell mit 2:0 in Rückstand. Doch allmählich drehte der Bayernexpress mit einem starkem Jungcenter Anton Bander und einem glänzend aufgelegten Kapitän Marko Ristić endlich auf und kontrollierte fortan die Partie. Die Pforzheimer, geschwächt durch die Hinausstellung des torgefährlichsten Spielers, kämpften weiterhin aufopferungsvoll, doch kamen sie gegen Münchens gut aufgelegte Verteidigung und den überzeugenden Rückraum nicht mehr ins Spiel. Mit 3:5 ging es in die Halbzeitpause, und als Ristić mit seinem 5 Treffer auf 3:8 erhöhte, ließen die Landeshauptstädter das Spiel souverän, aber aus Sicht ihres Trainers zu unkonzentriert auslaufen. Der 6:9 (2:3; 1:2; 0:3; 3:1) Erfolg bedeutete, dass die starke Auswärtsserie nun auf 4 Auswärtssiegen in Folge ausgebaut wurde.

Keine 24 Stunden später war die Ausgangslage eine ganz andere – hier war München nicht unbedingt der Favorit, empfing doch im Topspiel der Verfolger die zweitplatzierte SG Wasserball Leimen/Mannheim die Männer von der Isar. Leimen/Mannheim, das im letzten Jahr die Silbermedaille gewinnen konnte, zeigte sich, vom Spiel am Vortag ebenfalls geschwächt, taktisch gut eingestellt und hatte sich wohl eine Idee zurechtgelegt, wie man Münchens starke linke Seite, das Prunkstück der Offensive, welches am Vortag noch Pforzheim fast im Alleingang besiegte, entschärfen konnte. „Heute lief bei uns wenig über links. Aber das liebe ich an meinem Kader – wenn wir keine Tore über links machen können, dann verteidigen wir halt gut und machen die Tore über rechts“, freute sich Trainer Mikić nach dem Spiel. In der Tat waren es an diesem Sonntagabend im Badener Schwimmbad drei andere Spieler, die hervorstachen. Torhüter Viktor Sipos zum Beispiel, der in der erste Hälfte Leimens Schützen zur Verzweiflung brachte. Ihm und seinem Abwehrchef Haris Hadjioannou, dem überragenden Spieler an diesem Abend, war es zu verdanken, dass Leimens gefürchtete Offensive gar nicht ins Spiel kam und München mit einer 2:5 Halbzeitführung die heimischen Zuschauer mit Ratlosigkeit zurückließen. Die Isarstädter schienen auf dem besten Weg zum Sieg, doch dann kam Leimen im dritten Viertel endlich ins Spiel und es wurde brenzlig für die Münchener. Plötzlich viel der Ausgleich, plötzlich führte Leimen – erst 6:5, dann 7:6. Leimen war im Spiel, Leimen war am Drücker, knappe 6 Minuten vor Schluss sah man wieder ein Lächeln im Gesicht der Zuschauer. Was war los mit den Bayern? Gaben sie etwa auf?

Mitnichten! Trainer Mikić griff tief in die Taktiktasche und zauberte seine beiden letzten Trümpfe heraus: Zuerst wechselte er den Torwart, um Stabilität und Ruhe in der Verteidigung wiederzuerlangen und den Gegner aus dem Konzept zu bringen – ein Schachzug, der voll aufging, blieb Leimen danach 5 Minuten ohne eigenen Treffer. Danach stellte er seinem spanischem Scharfschützen Ignacio Marian de Diego das aus, wonach sich alle Spieler immer sehnen: die „Lizenz zum Ballern“. Und dieser enttäuschte nicht. „Nacho“, wie er in Mannschaftskreisen genannt wird, fand zu jugendlicher Stärke zurück und traf in drei Überzahlspielen in Folge erst zum 7:7 Ausgleich, um dann, unterbrochen vom Führungstreffer durch Mikić, die Führung auszubauen und mit der 7:10 Vorentscheidung 80 Sekunden vor Schluss jene Lizenz wieder an den Trainer zurückzugeben, damit dieser sie beim nächsten Spiel erneut im richtigen Augenblick an den richtigen Spieler übertragen kann.

„Das bitterste an diesem Wochenende ist, dass es jetzt schon vorbei ist. Erst haben wir Pforzheim geschlagen, dann auf dem schwäbischen Dancefloor brilliert, um dann im Topspiel die zwei Punkte mit nach Hause zu nehmen. Dafür hat sich das ganze Training gelohnt“, freute sich Altmeister Marco Polunić, auf den sich die Mannschaft mal wieder in der Centerverteidigung und bei der Teambuildung-Organisation vollkommen verlassen konnte.
Für München bleibt keine Zeit zur Entspannung, geht es doch direkt am Sonntag, 12.02. weiter – der ambitionierte Aufsteiger aus Stuttgart ist um 11:30 Uhr Gast im Anton-Fingerle-Schulzentrum, wenn Mikić vielleicht erneut die „Lizenz zum Ballern“ vergibt.

1. BSC Pforzheim – SG Stadtwerke München 6:9 (2:3; 1:2; 0:3; 3:1)
SG Stadtwerke München: Viktor Sipos und Robert Idel (TW), Brinio Hond (2 Tore), Marko Polunić, Alexander Glusow, Haris Hadjioannou (1), Ivan Mikić, Marko Ristić (5), Aaron Katona, William Gorin (1), Niklas Trommer, Anton Bander, Ignacio Marian de Diego

SG Wasserball Leimen/Mannheim – SG Stadtwerke München 8:10 (1:2; 1:3; 4:1; 2:4)
SG Stadtwerke München: Viktor Sipos und Robert Idel (TW), Brinio Hond (2 Tore), Marko Polunić, Matthias Krimphove, Haris Hadjioannou (2), Ivan Mikić (1), Marko Ristić (1), Aaron Katona, William Gorin, Niklas Trommer, Anton Spanjol, Ignacio Marian de Diego (4)

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